RTL 2-Chef Starke: "Köln 50667 ist eine eigenständige Marke"

Freitag, 30. November 2012
"Peilen zweistellige Marktanteile an": RTL-2-Geschäftsführer Jochen Starke
"Peilen zweistellige Marktanteile an": RTL-2-Geschäftsführer Jochen Starke

Mit "Berlin Tag & Nacht" hat RTL 2 einen Achtungserfolg hingelegt. Die Serie erweist sich für den Grünwalder Sender als so erfolgreich, dass man im kommenden Jahr mit "Köln 50667" ein Spin-off an den Start bringt. Die Handlung ist bereits jetzt auf einer eigenen Facebook-Seite angelaufen, die innerhalb weniger Tage weit mehr als 200.000 Fans sammelte. Welche Idee dahinter steckt, und welche Erwartungen RTL 2 an das neue Format hat, erklärt Geschäftsführer Jochen Starke im Interview mit HORIZONT.NET. Inwieweit passt "Köln 50667" in das Programmschema von RTL 2?
Wir haben vor einigen Jahren entschieden, verstärkt auf Eigenproduktionen zu setzen, um mehr eigene Marken zu kreieren. Besonders wichtig im Hinblick auf die Marktanteile ist dabei der Vorabend, den wir zunächst mit den 'X-Diaries' besetzt und dann konsequent weiterentwickelt haben. Dabei haben wir viel Geduld und Mut bewiesen, positive wie negative Erfahrungen gemacht. Umso mehr freut es uns, dass die Fortentwicklung unseres Programms bei den Zuschauern so gut ankommt.

Nach 'Berlin Tag & Nacht' ist 'Köln 50667' nun sozusagen die nächste Entwicklungsstufe für den Vorabend. Was die Daily Soaps angeht, belassen wir es dabei zunächst. Zwei einstündige Sendungen zwischen 18 und 20 Uhr sind ausreichend.

Der Cast von "Köln 50667"
Der Cast von "Köln 50667"
Sie launchen das Format zunächst auf einer Facebook-Seite. Welche Idee steckt dahinter?
Wir werden oft gefragt, wie nachhaltig der Erfolg von 'Berlin Tag & Nacht' eigentlich ist. Hier hilft vielleicht eine Kennzahl: Die Anzahl der Leute, die sich auf Facebook über die Serie unterhalten, entspricht zehn Prozent der gesamten Fanbasis des Formats, das ist absolut herausragend. Für die Werbekunden ist das von großer Bedeutung, zeigt es doch, wie gut sie ihre Zielgruppe mit einem crossmedial ausgerichteten Format erreichen können. Der Erfolg wird auch im Ausland anerkannt: Wir haben 'Berlin Tag & Nacht' eben erst nach Frankreich und Ungarn verkauft, zudem gibt es großes Interesse aus den USA, Polen und Russland an dem Format. Das zeigt uns, dass wir einiges richtig gemacht haben.

Aber kann man den Erfolg von "Berlin Tag & Nacht" kopieren?

Wir sehen 'Köln 50667' nicht als Kopie. Wir nutzen vielmehr das Erfolgsrezept von 'Berlin Tag & Nacht' für den Start eines neuen Produkts, das aber eine eigenständige Marke sein wird. Wir haben uns jedenfalls keine Deadline gesetzt, wann 'Köln 50667' zwei Millionen Facebook-Fans haben muss. Im Vordergrund steht für uns, dass wir die entsprechenden Marktanteile erzielen, denn damit verdienen wir letztlich unser Geld. Wir peilen auf jeden Fall zweistellige Marktanteile an, das Potenzial dafür hat die Sendung. Da ist es hilfreich, im Vorfeld schon eine Marke mit einer gewissen Bekanntheit aufzubauen.

Darum gehts in "Köln 50667"

Meike, Tattoo-Queen und eine der beliebtesten Figuren aus "Berlin Tag & Nacht", hat sich nach Köln in Alex, den Biker und Besitzer der "Kunstbar" am Domplatz, verliebt. Die traute Zweisamkeit wird auf eine harte Probe gestellt, weil Ex-Freundin Sam und die gemeinsame Tochter Anna von der neuen Frau an Alex' Seite alles andere als begeistert sind.

Darüber hinaus sind die weiteren Crewmitglieder der "Kunstbar" feste Bestandteile der Sendung. Neben Alex sind das der coole Womanizer Diego und die attraktive Kellnerin Joleen.

Die Serie läuft montags bis freitags um 18 Uhr vor "Berlin Tag & Nacht".

Sie starten die erste Staffel von "Köln 50667" mit 120 Episoden. Das ist eine ordentliche Hausnummer.
Das ist natürlich mutig, aber wir haben in den vergangenen Jahren oft Mut bewiesen. Eine Daily Soap muss von den Zuschauern wahrgenommen werden, man braucht Zeit um die Charaktere zu erzählen. Das geht nicht von heute auf morgen. Die Episodenzahl ist nicht zuletzt ein Zeichen an die Protagonisten der Serie: Bei einem langfristig angelegten Konzept sind die Darsteller viel engagierter, als wenn man kleinteilige Serie mit 40 Episoden dreht.

Warum haben Sie nach Berlin Köln als weiteren Mittelpunkt einer Serie gewählt?

Köln ist eine tolle Stadt, Köln hat sehr offene, freundliche Menschen und der Rheinländer ist eine Frohnatur. Man denke nur an den Karneval. Dieses positive Lebensgefühl wollen wir in der Sendung vermitteln. Außerdem hat Köln ein ähnliches kreatives Potenzial wie Berlin, nicht ohne Grund werden hier viele TV-Produktionen gemacht.

Was erwarten Sie vom kommenden Jahr?

Wenn sich unsere Marktanteile weiter so entwickeln wie in den vergangenen Monaten, wird 2013 sicher ein sehr gutes Jahr. Wir wünschen uns auch, dass wir vom Markt nicht mehr als Optimierungssender, sondern als Relevanzsender wahrgenommen werden. Denn die jüngste Entwicklung zeigt die Relevanz von RTL II: Ob in der Daytime oder Prime-Time, egal in welcher Zielgruppe – RTL II hat stark zugelegt, und zwar gegen den Trend. Vor dem Hintergrund, dass die Digitalisierung den TV-Markt immer weiter fragmentiert, sind unsere Marktanteilszuwächse in diesem Jahr noch höher zu bewerten Für uns gilt jedoch stets: Wir wollen nicht zu schnell wachsen, sondern nachhaltig. Interview: Ingo Rentz
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