"Push" im HORIZONT-Check - Bunte Verpackung, wenig Inhalt

Mittwoch, 30. Mai 2012
Annika Kipp präsentiert das neue Sat-1-Magazin "Push"
Annika Kipp präsentiert das neue Sat-1-Magazin "Push"


Mit dem neuen Magazin "Push" will Sat 1 seinen schwächelnden Vorabend wieder auf Vordermann bringen. Statt Promi-News soll das Format mit Geschichten aus dem Alltag und einer innovativen Bildsprache punkten. Doch das Ergebnis enttäuscht. "Push" ist eine belanglose Mixtur aus Videoclips und Reportagen. Eigentlicher Dreh- und Angelpunkt des Formats ist die Moderatorin Annika Kipp - die aber vor allem durch wilde Grimassen auffiel. "Wir zeigen Alltagshelden und erzählen Geschichten, die uns verblüffen und erstaunen, gerne auch auf unsere sehr eigene Art und Weise. Natürlich immer auch mit einem Augenzwinkern", kündigte Moderatorin Annika Kipp vor dem Start an. Was sich auf dem Papier noch nach einem durchaus Vorabend-tauglichen Konzept anhörte, entpuppte sich auf dem Fernsehschirm allerdings über weite Strecken als Annika-Kipp-Clipshow.

Nach einer von Kipp aus dem Off kommentierten Straßenumfrage nach Schema F - man befrage Menschen zu einem x-beliebigen Thema und schneide die doofsten Antworten zusammen - ging es weiter mit einer Reportage über die Schönheitsmesse in Düsseldorf, auf der sich zwei junge Reporter furchtlos die neuesten Errungenschaften der Beauty-Industrie am eigenen Leib testeten. Helden des Alltags? Nun ja. 

Offensichtlicher Höhepunkt für die Moderatorin selbst war ihr Treffen mit Modelmama Heidi Klum, vor der sie ein paar Mal den Laufsteg auf und abstolzieren durfte, um sich ein halbherziges Lob abzuholen. Zuvor inspizierte Kipp die Villa der Topmodel-Aspirantinnen in Los Angeles und mit schäkerte ein wenig mit Heidis Sidekicks Thomas und Thomas.

Überhaupt zielt das Format offenbar gezielt auf Frauen ab. Auch auf der Website geht um Augenbrauen-Rasieren, Nagellack und immer wieder um Tipps für Beauty und Wellness. Die Helden des Alltags gab es zumindest in der ersten Folge am Dienstag nur in Form von Internet-Videoclips: Zu bewundern gab es etwa die "drei schönsten Heiratsanträge" und ein gackerndes Baby.

Ins nicht ganz stimmige Gesamtbild fügt sich auch Moderatorin Annika Kipp ein. Dass die eigentlich sympathische Moderatorin mit allerlei lustigen Grimassen auf Teufel komm raus gute Laune verbreiten will, ist auf Dauer leider eher nervig als ansteckend.

Und so hinterlässt "Push" selbst den geneigten Zuschauer ziemlich ratlos. Ein wenig Mode, ein wenig People, ein paar Videos und dazwischen immer wieder Annika Kipp. "Wir möchten niemanden erschlagen mit harten Themen", sagte sie im Interview mit ihren ehemaligen Kollegen vom Sat-1-Frühstücksfernsehen. Man wolle die Zuschauer so entspannt und angenehm wie möglich in den Abend bringen. "Push" ist ein wenig wie ein Diät-Joghurt: Bunte Verpackung, wenig Inhalt. Und nach einer halben Stunde hat man wieder Hunger. Ein bisschen mehr Relevanz darf man seinen Zuschauern selbst am Vorabend schon zumuten.

Auch die Zuschauer sind offensichtlich noch nicht auf den Geschmack gekommen: Gerade einmal 1,43 Millionen Zuschauer zappten am Dienstag rein, in der jungen Zielgruppe blieb der Marktanteil mit nur 520.000 Zuschauern sogar bei schwachen 6,8 Prozent hängen. dh
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