„Punkt. Absatz." Michel Friedman und die sinkende Qualität der Zeitungen

Mittwoch, 27. Juni 2012
Michel Friedman auf dem 1. Zeitungsgipfel
Michel Friedman auf dem 1. Zeitungsgipfel

„Der Tod der Zeitung ist ihre Verwechselbarkeit, und das übrigens auch ohne Internet". Als Gast auf dem 1. Deutschen Zeitungsgipfel zeigte der Publizist und Rechtsanwalt Michel Friedman wenig Verständnis für die sinkende Qualität so manches Medienprodukts. Im Gespräch mit HORIZONT-Chefredakteur Jürgen Scharrer und in seiner gewohnt streitlustigen Art - Friedman beendet seine Sätze gerne mit dem Hinweis „Punkt. Absatz", Widerspruch zwecklos - beklagte er die zunehmende Verwechselbarkeit von Tageszeitungen. „Da werden oft genug einfach nur noch Nachrichtenagenturen abgeschrieben und gute Leute zu schlecht bezahlt", so Friedman.

Michel Friedman: Irgendwann haben sich auch die besten Chefredakteure erschöpft. “


Früher hätte er Tageszeitungen auch zwei oder drei Tage nach ihrem Erscheinen noch gelesen, weil er dort „Quality Elements" (Friedman) wie etwa umfassend recherchierte Autorengeschichten gefunden  hätte. „Das gibt es heute nicht mehr", klagt Friedman. Stattdessen würden viele Zeitungsverlage Anpassung mit Anbiederung verwechseln und zum Zwecke von Auflagen- und Reichweitensteigerung „die Popularisierung ihrer Geschichten" über Maßen vorantreiben.

Friedman, Jahrgang 1956, plädierte zudem für einen Generationenwechsel in deutschen Chefredakteursbüros: „Mit den meisten heute noch im Amt befindlichen Machern der großen überregionalen Tageszeitungen bin ich aufgewachsen. Das kann nicht gut gehen. Irgendwann haben sich auch die besten Chefredakteure erschöpft."

Auf dem 1. Deutschen Zeitungsgipfel, der gestern von HORIZONT und The Conference Group in Wiesbaden veranstaltet wurde, trafen sich erstmals Verlagsmanager, Chefredakteure, Vermarkter und Werbungtreibende um über die Zukunft der Zeitung zu diskutieren. as
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