"Pubbles": Bertelsmann Direct Group und G+J eröffnen ihren Onlinekiosk schrittweise

Mittwoch, 01. September 2010
Der Bertelsmann-Buchhandelszweig Direct Group und ...
Der Bertelsmann-Buchhandelszweig Direct Group und ...

Der Countdown läuft: Bertelsmann bereitet den Start seines geplanten Onlinekiosks vor. Jener Shoppingplattform für digitale Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchinhalte also, die der Bertelsmann-Buchhandelszweig Direct Group und die Verlagssparte Gruner + Jahr über ihre Tochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) im Februar eigentlich schon für diesen Sommer angekündigt hatten. Das Projekt soll nun Anfang Oktober zur Buchmesse unter der neu kreierten Marke „Pubbles" an den Start gehen. Eine gleichnamige Betreiberfirma mit Sitz in Hamburg wurde jetzt gegründet. In dieser Woche soll laut Verlagskreisen unter http://www.pubbles.de/ eine Registrierseite freigeschaltet werden, um die Plattformtechnik zu testen; Mitte September startet ein „Friendly User Test" unter realen Bedingungen. Nach dem Launch Anfang Oktober soll zum Jahresende eine dicke Werbekampagne für Pubbles trommeln. Den Etat konnte sich die Agentur Kolle Rebbe, Hamburg, sichern. Eine DPV-Sprecherin bestätigt den Namen des E-Shops auf Anfrage von HORIZONT.NET.

... die G+J-Tochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) starten Pubbles Anfang Oktober
... die G+J-Tochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) starten Pubbles Anfang Oktober
Doch Pubbles startet weniger opulent als ursprünglich angekündigt: So hatten die Initiatoren gedacht, dass sich schon zum Start weitere Verlage als Gesellschafter an der Betreiberfirma beteiligen. Auch deshalb, um eine von manchen befürchtete Bertelsmann-Dominanz zu verhindern. Deshalb hatte DPV-Geschäftsführer Olaf Conrad im Februar eigentlich mit einer Handvoll großer und mittlerer Verlage als Co-Gesellschafter gerechnet. Doch offenbar haben sich diese Befürchtungen mittlerweile zerstreut - oder das Interesse. Jedenfalls machen es DPV und Direct Group nun erstmal alleine und halten je 50 Prozent an der neuen Firma.

Breiter scheint die Beteiligung bei den Kooperationspartnerschaften. Nach G+J-Angaben haben bislang rund 30 Presseverlage und zusätzlich etwa ebenso viele Buchverlage in einer Absichtserklärung unterschrieben, ihre digitalen Medieninhalte (auch) über Pubbles verkaufen zu wollen. Verlagsnamen nennen DPV/Direct Group jedoch noch nicht. Warum sie bisher keine fertigen Verträge präsentieren können oder wollen - unklar.

Das Pubbles-Logo
Das Pubbles-Logo
Skepsis gegenüber den Erfolgsaussichten, Konditionenpoker bis zuletzt, fehlende eigene digitale Inhalte, technische Verzögerungen oder auch die Befürchtung, durch ein zu frühes Commitment bei der Entwicklung von Digitalprodukten zeitlich unter Druck gesetzt zu werden: das könnten mögliche Gründe für die allseitige Zurückhaltung sein. Andererseits: Um sich fürs Weihnachtsgeschäft, das besonders im Buchmarkt wichtig ist, warmlaufen zu können, muss Pubbles bald starten, zur Not eben noch auf Schmalspur.

Doch je breiter die Beteiligung an und das Sortiment von Pubbles sind, desto mehr wächst die Akzeptanz der Leser. Und desto stärker ist die Verhandlungsposition gegenüber Geräteherstellern, Systemanbietern und Netzbetreibern wie Apple, Telekom und Co. Alle kämpfen wie die Verlage um ihre Rolle im digitalen und mobilen (Medien-) Vertrieb der Zukunft. Hier geht es vor allem um die Hoheit über den Kundenkontakt, die Inhalte, die Verkaufspreise und die Werbevermarktung.

Das Traumszenario für DPV/Direct Group wäre, wenn sich die Verlage exklusiv an Pubbles binden und ihre Inhalte auf keiner anderen Plattform anbieten würden. Für eine einfache Vertriebspartnerschaft war dies - schon aus Kartellgründen - zwar keine Bedingung, aber anfangs ernsthaft erwünscht. Für eine Beteiligung an der Betreiberfirma jedoch war Exklusivität sogar zunächst Bedingung; davon sind die Initiatoren jedoch schnell wieder abgerückt, um die Suche nach Mitgesellschaftern nicht zu belasten.

Ärgerlich dürfte es für Pubbles sein, dass sich mittlerweile ausgerechnet unterm selben Konzerndach ein mögliches Konkurrenzangebot zumindest für den Buchvertrieb formiert: Die Bertelsmann-Töchter Random House und Arvato bauen mit der Holtzbrinck-Gruppe im Joint Venture (Premium Vertriebs GmbH) eine Online-Verkaufsplattform für E-Books auf und wollen hier auch als Dienstleister für andere Verlage aktiv sein. rp
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