Protonet: Hamburger Start-Up sagt Cloud-Diensten und Facebook den Kampf an

Freitag, 05. Juli 2013
Die orange Server-Box von Protonet verbraucht weniger Strom als eine Glühbirne
Die orange Server-Box von Protonet verbraucht weniger Strom als eine Glühbirne

In Hamburg-Altona haben die Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum gestern Abend mit ihrem Team einen Server vorgestellt, mit dem sie das Internet revolutionieren wollen. "Mit unserer Box wollen wir den Nutzern ihre Datenhoheit zurückgeben", sagte Jelveh zum Auftakt der Veranstaltung. Die Internetuser sollen sich mit Hilfe der orangefarbenen Box nicht nur ihre eigene Daten-Cloud, sondern auch ihr eigenes soziales Netzwerk aufbauen können, ohne dass ihnen Facebook oder der US-amerikanische Geheimdienst über die Schulter schaut. Eine völlige Datensicherheit kann zwar auch Protonet nicht garantieren, aber zumindest ermöglicht ihre Box den Usern, sich aus der Abhängigkeit von Mailprovidern, iCloud oder Facebook zu befreien, die von der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) oder dem britischen Geheimdienst gezwungen werden, Daten ihrer Nutzer preiszugeben. Der Server wurde bewusst einfach in der Bedienung gehalten und mit einer Software ausgestattet, die von Protonet Soul genannt wird. Ähnlich wie mit der Dropbox können zum Beispiel Daten geteilt und Projekte definiert werden und jeder Box-Besitzer entscheidet selbst, wer Zugriff auf welche Gruppe und Daten hat.

Als Zielgruppe hat Protonet Agenturen mit bis zu 50 Mitarbeitern, aber auch Anwaltskanzleien und Ärzte im Visier, die ständig vertrauliche Daten austauschen, sie aber aus Datenschutzgründen nicht in einer kommerziellen Cloud abspeichern dürfen. "Wissen, wo die Daten liegen", ist das Credo von Protonet und im Falle der orangenen Box kann dessen Besitzer selbst entscheiden, wo sich seine Daten befinden: auf dem Schreibtisch, im Keller oder zuhause im Schlafzimmer. Kostenpunkt: 2749 bis 4099 Euro, je nach Ausstattung.

"Ich bin absolut davon überzeugt, dass hier Geschichte geschrieben wird", sagte gestern Abend Tarek Müller. Der 24-jährige Hamburger führt seit wenigen Wochen die neue E-Plattform Collins der Otto Group und ist einer der Kapitalgeber von Protonet. Zu den weiteren Investoren gehören die Gründer der Hamburger Werbeagentur Stefan Kolle und Stephan Rebbe sowie deren CFO Kai Müller und die Innovationsstiftung Hamburg.

Sie stellen Protonet ein Startkapital von 900000 Euro zur Verfügung. Weitere 200000 Euro konnte das Start-Up binnen rekordverdächtiger 48 Minuten über die Plattform von Seedmatch einsammeln. Der gestrige Firmenstart wurde von Protonet zum Unabhängigkeitstag der Cloud ernannt, an dem es das Start-Up auf Anhieb in die Berichterstattung der "Tagesthemen" und der "Washington Post" schaffte. ejej
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