Programmbericht: Vox ist Spitzenreiter bei Reality-Formaten

Dienstag, 10. April 2012
Vox hat mit knapp 40 Prozent den höchsten Anteil an Reality-Formaten im Programm
Vox hat mit knapp 40 Prozent den höchsten Anteil an Reality-Formaten im Programm


Hausfrauen, einsame Landwirte, Hobby-Köche und Ordnungshüter wohin man schaut: Reality-Formate prägen bei vielen TV-Sendern das Programm. Wie wichtig Doku-Soaps vor allem für die privaten Sender sind, belegt der aktuelle Programmbericht der Medienanstalten: Einzelne Sendern füllen fast die Hälfte ihres Programms mit Reality-Formaten. Spitzenreiter mit einem Reality-Anteil von knapp 40 Prozent ist Vox, dicht gefolgt von der großen Schwester RTL, bei der entsprechende Formate rund 38 Prozent der Programmfläche einnehmen. Sat 1 kommt auf einen Anteil von 30 Prozent, RTL 2 von rund 16 Prozent, bei Kabel Eins und Pro Sieben liegt der Reality-Anteil jeweils bei unter 10 Prozent. Das bedeutet, dass Vox und RTL jeweils rund neun Stunden pro Tag mit Reality-Formaten bestreiten, bei Sat 1 sind es etwa sieben Stunden.

Dabei hat das Potsdamer Göfak-Institut, das den Programmbericht im Auftrag der Landesmedienanstalten erstellt, den Begriff der "Realitätsunterhaltung" recht weit gefasst: Sie unterscheiden "Scripted-Reality-Formate" (gescriptete Doku-Soaps, gescriptete Gerichts- oder Personal-Help Shows), "Script-affine Formate", bei denen aus den Aufzeichnungen nicht eindeutig hervorging, ob sie gescriptet sind (Doku-Soaps, Daily Talks) und schließlich "Realityshows", wobei die in diese Kategorie auch Castingshows, Real-Life-Experimente, Spiel- und Wettbewerbsshows berücksichtigten.

Reality-Formate würden sich aber einer Zuordnung zu gängigen Programmkategorien weitgehend entziehen, betonen die Forscher. Ihr "Bauprinzip" sei geradezu die Vermischung von Elementen verschiedener anderer Genres. 

Die Medienanstalten analysieren seit 1998 zwei Mal im Jahr das Programm der acht größten deutschen Vollprogramme, um Programmentwicklungen zu dokumentieren. Unter anderem wird dabei regelmäßig der Politik- und Informationsanteil der großen Sender untersucht. Die federführend von der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) betreute Langzeitstudie wird von der GöfaK Medienforschung, Potsdam durchgeführt. Auf der Grundlage der empirischen Erkenntisse des Programmberichts wolle man die Diskussion über Reality-TV nun "intensiv weiterführen, auch öffentlich", kündigen die Landesmedienanstalten an. dh
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