Programmanalyse 2010: Pro Sieben erfüllt EU-Richtlinie nicht

Donnerstag, 12. Mai 2011
Pro Sieben setzt auf US-Formate wie "Grey´s Anatomy"
Pro Sieben setzt auf US-Formate wie "Grey´s Anatomy"

Ganze 82 Prozent des Fictionangebots von Pro Sieben kommen aus den USA. Das ergibt die "Programmanalyse 2010" des Instituts für empirische Medienforschung (IFEM). Damit verstößt der Sender gegen die Audivisuelle-Mediendienst-Richtlinie der EU. Die Fernsehrichtlinie besagt, dass mindestens die Hälfte der fiktionalen Sendungen europäische Werke sein sollen. Jedenfalls "soweit möglich", heißt es in der Passage, weshalb ein Verstoß bis heute auch keine Konsequenzen hatte. Pro Sieben zeigt hauptsächlich Serien und Spielfilme aus den USA. Nur 11 Prozent des Fictionangebots kommen aus Europa. Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) wehrt sich schon länger gegen die Richtlinie, da er sie als Eingriff in die Programmfreiheit empfindet. Bis jetzt kam es allerdings nie zu Sanktionen, weshalb man keine Notwendigkeit sah, die Frage nach der Rechtmäßigkeit juristisch bis zum Ende durchzufechten.

ARD und ZDF zeigen in ihrem Unterhaltungsangebot über 60 Prozent deutsche und europäische Produktionen, bei RTL und Sat 1 sind es über 50 Prozent. Die in "Media Perspektiven" veröffentlichten Zahlen erhebt das IFEM, Köln, im Auftrag von ARD und ZDF. Maßgeblich für die Sender ist aber erst der nächste Quotenbericht an die EU-Kommission. Dieser steht Ende des Jahres an. 

Ein anderer in der Programmanalyse untersuchter Bereich betrifft den Werbeanteil im Programm. Ganze 15,5 Prozent des Sat 1-Programms bestehen aus Werbung. Damit hat Sat 1 den höchsten Werbeanteil unter den fünf größten deutschen Sendern. Danach liegt Pro Sieben beim Werbeanteil an zweiter Position mit 13,9 Prozent, das entspricht 200 Minuten pro Tag. Knapp dahinter folgt RTL. Bei dem Kölner Sender setzt sich das Programm zu 13,5 Prozent aus Werbung zusammen. Bei den überwiegend gebührenfinanzierten ARD und ZDF sind es 1,4 Prozent. Die geläufigsten Formen sind dabei weiterhin Werbeblöcke und Sponsoring, letztere allerdings nur mit 0,2 Prozent.

Generell hat sich die Zusammensetzung der Programme nicht geändert: Die Öffentlich-Rechtlichen bringen mehr Informationen, die Privaten mehr Unterhaltung. Dabei baut RTL sehr stark auf nonfiktionale Unterhaltung in Form von Reality Formaten, sie mchen ein Drittel des Programms aus. Pro Sieben hat den größten Fictionanteil mit 46 Prozent. ARD und ZDF haben 2010, im Olympia- und Fußball-WM-Jahr, 7,7 bzw. 6,5 Prozent ihres Programms mit Sportangeboten gefüllt. hor
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