Prognose: TV-Markt wächst nur noch außerhalb des Kerngeschäfts

Dienstag, 12. Oktober 2010
Die Studie von Booz & Company wird auf den Medientagen München vorgestellt
Die Studie von Booz & Company wird auf den Medientagen München vorgestellt

Die deutschen TV-Konzerne müssen sich warm anziehen: Der klassische TV-Werbemarkt wird in den kommenden Jahren stagnieren und teilweise durch kostehnpflichtige Angebote und E-Commerce substituiert. Rund ein Drittel der Umsätze des gesamten TV-Marktes wandert in den kommenden Jahren an Wettbewerber aus dem New-Media-Bereich. Das prognostiziert die Analyse "Future of the German TV & Video-Ecosystem" der Strategieberatung Booz & Company.
Nach Ansicht der Berater müssen sich die klassischen TV-Anbieter den insgesamt stagnierenden Markt künftig mit neuen Wettbewerbern vor allem aus dem Bereich der digitalen Medien teilen. Das bis 2015 prognostizierte Umsatzwachstum von rund 2,5 Milliarden Euro entfällt laut Booz zum größten Teil auf neue Angebote abseits des klassischen Werbeschäfts wie Video-on-Demand oder E-Commerce.

Die Wertschöpfung der Medienindustrie verlagere sich von der klassischen TV-Werbung hin zu kostenpflichtigen Inhalten und damit verbundenen Dienstleistungen. Das konventionelle Fernsehen bleibe zwar weiterhin das Leitmedium, die künftigen Standards werden aber von Internet- und Technologieunternehmen wie Google oder Apple gesetzt, die maßgeschneiderte und zeitunabhängige Inhalte anbieten. Bis 2015 könnten nach Ansicht von Booz & Company bis zu 30 Prozent der Gesamtumsätze bereits an Wettbewerber aus dem Bereich digitaler Medien entfallen.

Noch sind die etablierten TV-Anbieter in einer vergleichsweise komfortablen Position: "Aktuell agieren die etablierten Player des TV-Marktes aus einer Position der Stärke heraus. Insbesondere bei zentralen Veränderungen im Bereich E-Commerce und Transaction Based Broadcasting wie Teleshopping können sie von ihrer enormen Reichweite und Cross-Media Kompetenz profitieren und neue Wettbewerber auf Abstand halten", erläutert Thomas Künstner, Partner und Medienexperte bei Booz & Company.

Die zunehmende Konvergenz der Medien und veränderte Nutzungsgewohnheiten führten allerdings zu einem verschärften Wettbewerb und seien ein Katalysator für neue Inhalte, Geschäftsmodelle und Marktakteure. Entscheidend sei eine größtmögliche Flexibilität: "Content wird zum Markt- und Lizenzprodukt. Maximale Vielfalt und Flexibilität für die Konsumenten sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren", ergänzt Künstner. dh
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