Produzentenallianz fordert mehr Transparenz bei ARD und ZDF

Donnerstag, 06. Januar 2011
ARD und ZDF müssen nach Betrugsaffäre das öffentliche Vertrauen wieder herstellen
ARD und ZDF müssen nach Betrugsaffäre das öffentliche Vertrauen wieder herstellen

Angesichtes der Betrugsaffäre beim Kinderkanal von ARD und ZDF fordert die Allianz Deutscher Produzenten mehr Transparenz bei der Vergabe von Produktionsmitteln durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender. In Zukunft müsse besser kommuniziert werden, wie hoch die Programmmittel sind und wofür sie verwendet werden. Hintergrund: Durch die Selbstanzeige eines Komplizen wurde im November bekannt, dass ein Mitarbeiter des Kinderkanals über Jahre hinweg mehrere Millionen Euro veruntreut hat. Der Komplize stellte beim Kika mehrere fingierte Dienstleistungen in Rechnung, für die er bezahlt wurde. Den Erlös aus diesem "Geschäft" teilten sich die beiden. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Erfurt geht inzwischen von 72 Betrugsfällen aus.

Für besonders besorgniserregend halten die Produzenten vor allem die Tatsache, dass der Betrug erst durch die Selbstanzeige auffiel, obwohl der Kika lediglich über einen Jahresetat von 37 Millionen Euro verfügt. Warum also hat eine Revisionsabteilung des ZDF und des Hessischen Rundfunks bei einer Prüfung im Jahr 2009 nichts bemerkt? "Einer Kontrolle durch die Öffentlichkeit und die Branche wären Unregelmäßigkeiten in dieser Größenordnung sicher nicht entgangen", sagt Alexander Thies, Vorsitzender des Vorstands der Produzentenallianz.

Aus diesem Grund kündigt die Produzentenallianz an, zukünftig von den Intendanten der ARD und des ZDF sowie den Vorsitzenden der jeweiligen Gremien jährlich die detaillierten Programm-Kennziffern einzufordern. Christoph Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz: "Öffentlichkeit und Produktionswirtschaft in Deutschland haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie viele Mittel konkret für Auftrags- und für Eigenproduktionen der Sender aufgewendet werden."

Zunächst müsse jedoch daran gearbeitet werden, das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder herzustellen. Deshalb dürfe nicht einfach "zur Tagesordnung" zurückgekehrt werden. Mehr Transparenz und eine bessere Selbstkontrolle seien jetzt gefragt, so die Produzenten. hor
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