Procter, Yahoo, Publicis: Digital-Business muss man gemeinsam entwickeln

Freitag, 22. Juni 2012
Gut aufgelegtes Trio: Marc Pritchard, Maurice Lévy, Ross Levinsohn (v.l.)
Gut aufgelegtes Trio: Marc Pritchard, Maurice Lévy, Ross Levinsohn (v.l.)

Die Titanium-Löwen werden zwar erst morgen vergeben. Einen Tag vorher haben sich im Debussy-Saal drei leibhaftige Business-Titanen zum Tête-a-tête eingefunden: Publicis-CEO Maurice Lévy diskutierte mit Yahoo-Chef Ross Levinsohn und P&G-CMO Marc Pritchard. Die Botschaft: Business im digitalen Zeitalter lebt von der Zusammenarbeit zwischen Werbungtreibenden, Internet-Unternehmen und Agenturen. In Cannes lässt selbst der weltweite Chef von Publicis seinen Anzug zuhause. Gut gelaunt und leger gekleidet kündigt Maurice Lévy seine „beiden Freunde" Levinsohn und Pritchard an: „Marc ist der CMO eines kleinen, schlanken Konsumgüter-Herstellers. Und Ross ist der Chef eines Unternehmens, das derzeit kaum Probleme hat."

Seit etwas über einem Monat ist Levinsohn interimistisch CEO des krisengeschüttelten Internet-Pioniers. Was das Wichtigste sei, was Levinsohn in seiner kurzen Amtszeit gelernt habe, fragt Lévy. Der Yahoo-Chef sagt: „Wir müssen uns fokussieren. Und wir müssen das, was wir umsetzen wollen, nicht nur gut machen, sondern großartig." Yahoo ist immer noch eine große Marke - doch Google und Facebook machen dem Unternehmen in den vergangenen Jahren das Leben schwer. Dennoch, so der neue CEO, erreicht der Konzern monatlich Hunderte von Millionen Menschen. Levinsohn: „Es gibt kein Unternehmen auf der Welt, das nicht vor bestimmten Herausforderungen steht."

Interessant: Für Procter & Gamble bleibt Yahoo trotz aller derzeitigen Probleme einer der wichtigen strategischen Partner, wie P&G-CMO Pritchard betont: „Wenn Yahoo erfolgreich ist, ist das gut für Procter und gut für die gesamte Industrie." So spielt der Internet-Konzern für den FMCG-Giganten eine zentrale Rolle bei der Olympia-Kampagne („Danke Mama") des Unternehmens. Obwohl Yahoo eine technologiegetriebenes Medienunternehmen sei, habe der Konzern begriffen, das es Werbungtreibenden wie P&G weniger auf technische Plattform ankommt, sondern die Kreativität, mit der Konsumenten erreicht werden: „Content is king", so P&G-Mann Pritchard. Die Message der drei hochrangigen Freunde: Im digitalen Zeitalter müssen Unternehmen, Internet-Spezialisten und Agenturen zusammenarbeiten, um einerseits Antworten auf Konsumentenwünsche zu finden, andererseits aber das Business zu entwickeln. Was sich Yahoo von Publicis und Procter & Gamble wünschen würde, fragt Lévy zum Schluß. „Das ihr eure Etats bei Yahoo konsolidiert", antwortet der Interims-CEO, der zuvor der oberste Anzeigenverkäufer bei Yahoo war, schlagfertig. Soweit wird die Freundschaft denn doch nicht gehen. vs

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