Pro Sieben Sat 1 will Nachrichten nicht abschaffen

Mittwoch, 09. Dezember 2009
Thomas Ebeling
Thomas Ebeling

In der Diskussion darum, wie Pro Sieben Sat 1 künftig mit den Nachrichten auf seinem Kanal N24 sowie den Sendern Pro Sieben, Sat 1 und Kabel Eins umgeht, meldet sich der Konzern nun via "Süddeutsche Zeitung" nochmals selbst zu Wort. Konzernchef Thomas Ebeling hatte angekündigt, dass für den Berliner Nachrichtensender alle Optionen inklusive eines Verkaufs geprüft würden. Die Politiker hatten daraufhin befürchtet, dass die TV-Gruppe in Unterföhring die Nachrichten ganz einstellt. Solchen Szenarien erteilt Unternehmenssprecher Julian Geist nun eine klare Absage: "Ein Verzicht auf Regionalfenster und Drittsendezeiten bei Sat 1 steht ebenso wenig zur Debtatte wie ein Verzicht auf publizistisch relevante Nachrichten und Informationsformate in den Vollprogrammen Sat 1, Pro Sieben und Kabel Eins", sagt er der Zeitung. Man denke eben darüber nach, wie ein "wirtschaftlich tragfähiges Modell für Nachrichten aussehen kann".

Mehrere Politiker, darunter Kulturstaatsminister Bernd Neumann, hatten gedroht, dem Kanal die Zulassung zu entziehen, falls er keine Nachrichten mehr ausstrahlen sollte. Die Verpflichtung der Sender zur Information ist derzeit geltendes Recht und eine Voraussetzung für die Zulassung der Kanäle. CDU-Politiker Jürgen Rüttgers hat im "Spiegel" sogar angedroht, auf die Schnelle den Rundfunkstaatsvetrag zu ändern - also das Gesetz, das die Belange der Fernsehsender regelt.

Der Hintergrund für die aktuelle Diskussion: Laut Pro Sieben Sat 1 rechnet sich die Nachrichtenproduktion nicht. Der Redaktionsausschuss von N24 kommt laut "Spiegel" jedoch zu anderen Ergebnissen: Denn Programm- und Verbreitungskosten von 75 Millionen Euro stünden 30 Millionen Euro Werbe- und sonstige Erlöse gegenüber. Außerdem 65 Millionen Euro, die die anderen Konzernsender für die Nachrichtelieferung überweisen. Der Kanal sei damit profitabel.

Diese Lesart bedeutet aber auch, dass die Profitabilität stark von den internen Verrechnungspreisen abhängt und die anderen Sender kaum einen anderen, möglicherweise günstigeren Lieferanten beauftragen können, wenn sie die wirtschaftliche Situation von N24 nicht gefährden wollen. pap
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