Pro Sieben Sat 1 verdoppelt 2010 Nettogewinn

Donnerstag, 03. März 2011
P7S1-CEO Thomas Ebeling rechnet 2011 mit weiterem Wachstum in allen Segmenten
P7S1-CEO Thomas Ebeling rechnet 2011 mit weiterem Wachstum in allen Segmenten


Nachdem gestern Axel Springer Rekordzahlen vorgelegt hat, präsentiert nun auch der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 positive Werte für das Jahr 2010. Das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern Zinsen und Abschreibungen (Recurring Ebitda) beläuft sich auf 905,9 Millionen Euro – 30 Prozent mehr als 2009. Der Nettogewinn hat sich von 146,6 Millionen Euro auf 312,7 Millionen Euro verdoppelt. Zudem wartet die Sendergruppe zur Bilanzpräsentation gleich mit mehreren Personalien auf. Die wichtigste: Der langjährige Geschäftsführer von Pro Sieben, Thilo Proff, 45, verlässt das Unternehmen zum 1. April und macht sich selbstständig.
Der Umsatz ist um 8,7 Prozent auf 3 Milliarden Euro gestiegen, im wichtigen deutschsprachigen Markt gar um 9,7 Prozent auf rund 1,863 Milliarden Euro. Dieses Geschäftsfeld trägt 631,3 Millionen Euro zum Recurring Ebitda bei (2009: 457,9 Millionen Euro). Der Konzern konnte zum einen von den 2009 angestrengten Sparaktivitäten profitieren, zum anderem von der schnellen Erholung der Konjunktur in Westeuropa.

„Unser Erfolg hängt nicht nur mit dem konjunkturellen Rückenwind zusammen, sondern ist auch auf die Effizienz unserer Prozesse und die richtigen strategischen Entscheidungen zurückzuführen“, kommentiert CEO Thomas Ebeling die Zahlen. Für 2011 rechnet er mit weiterem Wachstum bei Umsatz und Ergebnis in allen Segmenten. Das 1. Quartal wird jedoch vom verhaltenen Start und dem späten Ostertermin im 2. Quartal leiden.

Die positiven Ergebnisse für 2010 dürften die beiden Eigentümer KKR und Permira freuen, die derzeit alle Optionen für einen Ausstieg bei dem Unternehmen mit Sitz in Unterföhring prüfen. Als Wahrscheinlichste gilt in Analystenkreisen ein weiterer Exit über die Börse. Die Aktie hat sich nach ihrem Tief im März 2009 von unter einem Euro auf über 23 Euro erholt.

Nachdem Pro Sieben Sat 1 für das von der Wirtschaftskrise geprägte Jahr 2009 keine Dividende gezahlt hatte, nimmt der Konzern seine laut Finanzvorstand Axel Salzmann „ertragsorientierte Ausschüttungspolitik wieder auf“. Der Vorstand schlägt eine Dividende von 1,14 Euro je Vorzugsaktie und 1,12 Euro je Stammaktie vor. Damit beliefe sich die Ausschüttung auf insgesamt 240,8 Millionen Euro, das entspricht 67,4 Prozent des Nettoergebnisses. Vor der fast gestrichenen Ausschüttung für das Jahr 2009 war Pro Sieben Sat 1 immer wieder für seine zu hohe Dividendenpolitik kritisiert worden, schleppt der Konzern doch seit dem Kauf der niederländisch-skandinavischen TV-Gruppe SBS Milliarden- Schulden mit sich herum.

P7S1-Finanzvorstand Axel Salzmann
P7S1-Finanzvorstand Axel Salzmann
Die Nettoverschuldung ist 2010 jedoch weiter gesunken und zwar von 3,295 auf 3,021 Milliarden Euro. Sie könnte sich in diesem Jahr noch weiter reduzieren, falls es zu einem Verkauf der Aktivitäten in Skandinavien und Benelux kommt. Pro Sieben Sat 1 überprüft dort derzeit das Portfolio. Möglich ist, dass beide Engagements verkauft werden, dass der Konzern nur eine Region oder auch beide behält. Nach Analystenschätzungen könnte ein Verkauf pro Region rund eine Milliarde Euro in die Kassen spülen und Pro Sieben Sat 1 damit deutlich attraktiver für Investoren werden. Finanzvorstand Axel Salzmann ist jedoch zufrieden mit dem jetzigen Verschuldungsgrad. Die angepeilte Bandbreite vom drei- bis vierfachen der Nettofinanzverschuldung zum Recurring Ebitda sei vorzeitig erreicht.

Nach Segmenten betrachtet, haben sich neben dem Bereich Free-TV im deutschsprachigen Raum auch die beiden anderen Bereiche positiv entwickelt. Der Umsatz im Free-TV International ist um 8,4 Prozent auf 764,2 Millionen Euro gestiegen, das Ergebnis um 15,8 Prozent auf 183,2 Millionen Euro.

Der Bereich Diversifikation, der unter anderen die Onlinewerbeeinnahmen, das schwierige Engagement bei Neun Live sowie die Media-for-Equity/Revenue-Deals verbucht, legte um 4,4 Prozent auf 373,2 Millionen Euro zu. pap
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