Pro Sieben Sat 1 und RTL planen offene TV-Plattform im Internet

Freitag, 06. August 2010
P7Sat1 und RTL Interactive werden die technische Plattform betreiben
P7Sat1 und RTL Interactive werden die technische Plattform betreiben

Die TV-Konzerne Pro Sieben Sat 1 und RTL arbeiten an einer gemeinsamen TV-Plattform im Internet. Diese soll allen interessierten Sendern in Deutschland und Österreich offenstehen - privaten und öffentlich-rechtlichen. Die entsprechenden Pläne werden heute der EU-Kommission zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Damit bestätigen sich Gerüchte, die bereits seit einigen Monaten im Umlauf waren. Die Plattform soll es den teilnehmenden Sendern ermöglichen, "den Internetnutzern ihre Inhalte in einem zentralen Angebot im Internet zur Verfügung zu stellen und individuell in einem eigenen Angebotsbereich auf der Plattform zu präsentieren", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden TV-Konzerne. Alle Inhalte werden sieben Tage nach der Ausstrahlung im Fernsehen kostenlos zum Abruf zur Verfügung stehen.

Mit dem gemeinsamen Portal bringen die beiden großen Senderketten Ordnung in die schwer zu überschauende Vielfalt von TV-Plattformen im Internet. Derzeit betreiben die Sender mit Maxdome, RTL Now und den Mediatheken von ARD und ZDF jeweils eigene Angebote. Dazu kommen Bewegtbildinhalte auf den Websites der einzelnen Sender und senderunabhängige Videoplattformen wie Youtube oder Sevenload.de.

Die Sender reagieren mit den Plänen auch auf die sich ändernden medialen Nutzungsgewohnheiten. Immer mehr Zuschauer suchen sich ihre Inhalte unabhängig vom laufenden TV-Programm im Internet zusammen. Außerdem verfügen viele neue TV-Geräte über einen Internetzugang. 36 Prozent aller neu verkauften Flachbildfernseher sind mittlerweile internetfähig. Das geht aus einer Analyse des Branchenverbands Bitkom auf Grundlage von Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK Retail and Technology hervor. Bislang sind in Deutschland 1,2 Millionen internetfähige TV-Geräte verkauft worden. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte für die gemeinsam mit dem Bitkom erstellte Studie "Die Zukunft der Consumer Electronics" will fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) seinen Fernseher an das Internet anschließen.

Nicht zuletzt wollen die deutschen TV-Sender mit der gemeinsamen Plattform auch der Konkurrenz aus dem Ausland zuvorkommen. "Die Plattform soll dazu beitragen, die teilnehmenden TV-Sender im Wettbewerb mit internationalen Internetangeboten gut aufzustellen", teilen die Sendergruppen mit. In den USA gibt es mit Hulu bereits eine gemeinsame TV-Plattform, an der die großen Networks von NBC Universal, News Corp. (Fox) und Disney (ABC) beteiligt sind. Die Plattform ist bislang nur für Nutzer aus dem USA zugänglich, soll aber auch in Europa an den Start gehen. Ein erster Testlauf in Großbritannien scheiterte jedoch.

Die deutsche TV-Plattform soll von einer gemeinsamen Gesellschaft von Pro Sieben Sat 1 und RTL Interactive, einer Tochterfirma der Mediengruppe RTL Deutschland, betrieben werden und sich ausschließlich auf die Bereitstellung der technischen Plattform beschränken. Damit wollen die beiden Konzerne offenbar kartellrechtlichen Problemen aus dem Weg gehen. Beide Unternehmen hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach Ärger mit den Wettbewerbsbehörden. dh
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