Pro Sieben Sat 1 soll 2011 verkauft werden

Dienstag, 14. Dezember 2010
P7S1-Chef Thomas Ebeling muss sich wohl auf neue Aktionäre einstellen
P7S1-Chef Thomas Ebeling muss sich wohl auf neue Aktionäre einstellen

Deutschlands größter TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 steht kurz vor dem Verkauf. Das berichtet die "Welt" mit Bezug auf Finanzkreise. Das Unternehmen gehört derzeit den Finanzinvestoren KKR und Permira, die gemeinsam 88 Prozent der Stammaktien halten. Die Private-Equity-Firmen sollen bereits Investmentbanken mandatiert haben. KKR und Permira hatten den Konzern Ende 2006 übernommen und sich nach HORIZONT-Informationen bereits in der Vergangeheit nach einem Käufer umgesehen. Nun wird es offenbar konkret. Als Exit-Varianten kommt demnach sowohl ein Verkauf über die Börse oder an einen Einzelinvestor infrage.

Gerade die erste Variante des Börsengangs hat in der jetzigen Situation großen Charme. Seit seinem Amtsantritt im März 2009 hat CEO Thomas Ebeling den Aktienkurs deutlich nach oben entwickelt. Aktuell steht er bei rund 23 Euro. Dafür spricht auch, dass es für KKR und Permira schwierig werden könnte, einen Einzelinvestor zu finden, der nicht nur finanzstark genug ist, sondern auch von der Politik gelitten. Ein deutsches Medienunternehmen kommt als Käufer aus medienkonzentrations- als auch kartellrechtlichen Gründen derzeit nicht in Frage. Potenzielle ausländische Investoren wie zum Beispiel Silvio Berlusconi oder Rupert Murdoch, der bereits bei Sky Deutschland das Sagen hat, dürfte hierzulande ein harter Wind entgegenwehen, sollten sie sich bei  Pro Sieben Sat 1 engagieren wollen.

Hinzu kommt, dass der Konzern zwar im operativen Geschäft wieder ziemlich gut da steht, allerdings immer noch einen Schuldenberg von über 3 Milliarden Euro mit sich herumschleppt. KKR und Permira hatten das Unternehmen 2007 gezwungen, ihnen die niederländisch-skandinavische TV-Tochter SBS abzukaufen. Seither kommt Pro Sieben Sat 1 nur sehr langsam von dem hohen Schuldenstand herunter und hatte im Krisenjahr 2009 auch Probleme, die Kreditbedingungen einzuhalten.

Die Transaktion könnte laut "Welt" im 2. Halbjahr über die Bühne gehen. Käme es jedoch zu einer erneuten Werbekrise oder einen Fall des Aktienkurses - wie schon 2008/09 - würde der Verkauf wohl erneut aufgeschoben.

Eine Variante, die die Investoren derzeit prüfen ist, ob die stimmrechtslosen Vorzugsaktien von denen KKR und Permira 25 Prozent halten, und die stimmberechtigten Stammaktien zu einer Gattung verschmolzen werden können. Darüber müsste die Hauptversammlung entscheiden, die im Mai 2011 zusammen kommt. pap
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