Pro Sieben Sat 1 hofft auf Verkauf von Sendern

Freitag, 30. November 2012
Pro Sieben Sat 1 hat zwei Angebote für seine skandinavischen Beteiligungen
Pro Sieben Sat 1 hat zwei Angebote für seine skandinavischen Beteiligungen


Der Verkauf der skandinavischen Aktivitäten von Pro Sieben Sat 1 rückt näher. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" rechnet der TV-Konzern mit zwei Geboten im Wert von mehr als 1 Milliarde Euro. Die Bieter sollen demnach Discovery Communications sowie der Finanzinvestor Providence Equity Partners sein. Zum Verkauf stehen Kanal 9 in Schweden, TV Norge in Norwegen und Kanal 4 in Dänemark. Derzeit gehört Pro Sieben Sat 1 den Finanzinvestoren KKR und Permira, die den deutschen TV-Konzern 2007 nach dem gescheiterten Verkauf an Axel Springer für rund 6,8 Milliarden vom US-Investor Haim Saban übernommen hatten. Pro Sieben Sat 1 musste im Anschluss KKR und Permira SBS abkaufen, eine Sendergruppe, die in den Niederlanden, Belgien und in den nordischen Ländern aktiv war, und sich dafür hoch verschulden.

Der nun geplante Verkauf betrifft die Sender aus dem SBS-Erbe. Schon in den ersten Jahren nach der Übernahme der SBS-Sender zeichnete sich ab, dass der Deal vor allem für KKR und Permira Sinn machte, die vom Verkaufserlös profitierten, nicht aber für Pro Sieben Sat 1. TV ist nach wie vor ein stark nationales Geschäft, die zu hebenden Synergien hielten sich in Grenzen.

Schon vergangenes Jahr hatte Pro Sieben Sat 1 die Aktivitäten in den Belgien und den Niederlanden für 1,2 Milliarden Euro verkauft und konnte damit vor allem seine Schulden senken. Zum 30. September 2012 belief sich die Nettofinanzverschuldung von Pro Sieben Sat 1 noch auf 2,075 Milliarden Euro. Beim nun geplanten Verkauf drängen die Investoren laut "FTD" jedoch darauf, dass der Erlös als Sonderdividende an KKR, Permira und den Minderheitseigentümer Telegraaf Media Group ausgeschüttet werden, der 12 Prozent der Anteile hält.

KKR und Permira hatten in der Vergangenheit immer wieder sondiert, den Konzerns als Ganzes zu verkaufen. Von dieser Strategie haben sich die Finanzinvestoren mit den Teilveräußerungen nun verabschiedet. Übrig bliebe nach dem Deal damit nur das wichtige deutsche TV-Geschäft.

Das Segment Broadcasting German Speaking steuerte in den ersten neun Monaten rund 1,28 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz von 1,995 Milliarden Euro bei. Auf Broadcasting International entfielen 431,8 Millionen Euro. Den Rest erzielt Pro Sieben Sat 1 mit den wachstumsstarken Feldern Digital & Adjacent sowie Content Production & Global Sales, auf die Konzernchef Thomas Ebeling besonderes Augenmerk legt.

Die Frage, wer pespektivisch als Käufer für das - nunmehr restliche - deutsche Geschäft in Frage käme, befeuert seit Jahren die Gerüchteküche. Axel Springer kam 2006 wegen kartellrechtlicher und medienkonzentrationsrechtlicher Fragen nicht zum Zuge. Im letzten Punkt zeichnet sich nun aber eine Lockerung ab. Aus dem Ausland wären neben Discovery, der hierzulande fast nur im Pay-TV aktiv ist, auch Turner ein interessanter Kandidat. Gerhard Zeiler, der als jahrelanger Chef der RTL Group und von RTL Deutschland das hiesige Geschäft extrem gut kennt, verantwortet seit dem Frühjahr das internationale TV-Geschäft von Turner.

Immer wieder im Gespräch waren früher auch Mediaset, des unter Druck geratenen Politikers Silvio Berlusconi, und Rupert Murdochs News Corp, die auch schon den Pay-TV-Konzern Sky Deutschland, ehemals Premiere, übernommen hat. pap
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