Pro Sieben Sat 1 blickt nach Asien und Mittleren Osten / Männersender geplant

Freitag, 01. Juli 2011
Ebeling würde für einen guten Sender 100 Millionen Euro zahlen
Ebeling würde für einen guten Sender 100 Millionen Euro zahlen

Kaum hat sich CEO Thomas Ebeling von den Geschäften in Belgien und den Niederlanden getrennt, um die hohe Verschuldung von Pro Sieben Sat 1 zu drücken, schaut er sich schon wieder nach neuen Zukaufsmöglichkeiten um. "Wir können uns vorstellen, in wachstumstarken Märkten außerhalb Europas aktiv zu werden", sagt Ebeling im Interview mit dem "Handelsblatt". Dazu gehören Asien und der Mittlere Osten. "Wir wären für alles offen, für Partnerschaften, Minderheitsbeteiligungen oder Übernahmen", sagt Ebeling passend zur heutigen Hauptversammlung in München, der Zeitung. Aktuell prüft der Konzern Produktionspartnerschaften und Vertriebsmodelle in China und Indien. "Das ist Teil unserer Wachstumsstrategie. Wir sind aber nicht unter Druck und auch nicht in Eile".

Ein ganz großer Wurf dürfte für Pro Sieben Sat 1, die noch den Finanzinvestoren KKR und Permira gehören, aktuell aber wohl eher nicht zur Debatte stehen. Der Konzern versucht seit Jahren, die hohe Verschuldung zu senken, die zum 31. März noch bei 3,152 Milliarden Euro lag. Der Verkauf von den Geschäften in den Niederlanden und Belgien, der rund 1,225 Milliarden Euro in die Kassen gespült hat, dient vor allem zur Senkung dieser Nettofinanzschulden - nicht zuletzt, um Pro Sieben Sat 1 attraktiver für potenzielle Käufer zu machen.

KKR und Permira wollen aussteigen, hatten den Exit jedoch angesichts des schwächelnden Aktienkurses im Mai erstmal wieder aufgeschoben. Ein großer Zukauf würde die Verschuldung wieder nach oben treiben, die Bewertung könnte sich verschlechtern und damit die zu erwartenden Einnahmen aus dem Verkauf der Anteile an Pro Sieben Sat 1, so dass eine große Expansion erst nach dem Ausstieg von KKR und Permira zu erwarten sein dürfte.

Auf die konkrete Frage des "Handelsblattes", wie viel Geld Pro Sieben Sat 1 für Investitionen bereit hält, antwortet Ebeling: "Wir haben nur eine wichtige Vorgabe: Die Verschuldung soll künftig stets zwischen dem Anderthalbfachen und dem Zweieinhalbfachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liegen." 2010 erzielte der Konzern ein Recurring Ebitda von 905,9 Millionen Euro. Das würde eine Schuldengrenze von derzeit maximal 2,26 Milliarden Euro bedeuten, die mit dem aktuellen Abbau bereits fast ausgereizt wäre. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" wird Ebeling konkreter: "100 Millionen Euro für einen Sender, der es wert ist, darüber kann man nachdenken."

Im Internet kann sich Ebeling dagegen Investments "in niedrigen einstelligen Millionenbeträgen" vorstellen. Dazu will er jedoch eher "kleine Firmen ins Boot holen, die wir dann mit unserer TV-Werbung groß machen können". Dieses Modell verfolgt Ebeling schon jetzt mit den Media-for-Revenue- und -Equity-Deals,  bei denen Pro Sieben Sat 1 Restwerbezeiten gegen Umsatz- und Unternehmensbeteiligungen bereit stellt. Prominentestes Beispiel dafür ist der Onlinehändler Zalando.

Auch im Inland sieht Ebeling mehr Potenzial für die Gruppe. So könnte in der 2. Jahreshälfte 2012 ein männeraffiner Sender starten, der älter gewordene Pro-Sieben-Zuschauer abholen soll, sagt er der "Süddeutschen". Für die Entwicklung zeichnet Katja Hofem-Best verantwortlich, die für den Konzern bereits den Frauensender Sixx auf die Schiene gebracht hat und zuvor bei Discovery Networks für den Launch des Männersenders Dmax verantwortlich war. "Ein Schuss Dmax, Sport 1, Arte und Pro Sieben", soll der Sender beinhalten, der für männliche Entscheider konzipiert ist, die der Konzern seit dem Verkauf des Nachrichtensenders N24 nur noch schwer erreicht.

Für 2011 ist Ebeling - trotz der derzeit unsicheren Lage im Werbemarkt - zuversichtlich, erneut gute Zahlen präsentieren zu können: "Wir werden auch 2011 wieder ein Rekordjahr einfahren", kündigt er an. 2010 belief sich das Konzernergebnis auf 312,7 Millionen Euro, das Recurring Ebit auf 905,9 Millionen Euro und der Umsatz auf 3 Milliarden Euro. pap
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