Pro Sieben Sat 1: Kleinaktionäre kritisieren "Flickschusterei"

Montag, 16. Juni 2003

Auf der Hauptversammlung haben die Kleinaktionäre von Pro Sieben Sat 1 Media dem Großaktionär Kirch Media und den Banken eine kräftige Abreibung verpasst. Nachdem der Verkauf an den US-Milliardär Haim Saban gescheitert sei, gehe die "Hängepartie" und "Flickschusterei" weiter, kritisierten sie in München.

Pro-Sieben-Sat1-Vorstandschef Urs Rohner stellte einen Betriebsgewinn auf Vorjahreshöhe in Aussicht, auch wenn die Sendergruppe weitere zehn Prozent ihrer Werbeumsätze einbüßen könnte. Die Gläubigerbanken und Kirch Media seien bereit, voraussichtlich noch dieses Jahr für jeweils 150 Millionen Euro neue Aktien zu übernehmen und sich mittelfristig unternehmerisch zu engagieren, sagte Rohner. Außerdem stellte er den Aktionären die langersehnte Umwandlung von Vorzugsaktien an der Senderfamilie in stimmberechtigte Stammaktien in Aussicht.

Dagegen kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, das die geplante Kapitalerhöhung "nur eine Notlösung". So werde die Suche nach einem Käufer nur herausgeschoben. Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Klaus Schneider, hoffte, "dass die Verlängerung dieser Hängepartie nicht die Kräfte weiter bremst". Wie Bergdolt kritisierte er den neuen Aufsichtsrat mit Kirch-Media-Insolvenzverwalter Michael Jaffé, Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems sowie Bankern, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern.

Der als Mitglied vorgesehene frühere RTL-Chef Helmut Thoma zog in letzter Minute zurück. Schneider: "Irgendwelche unternehmerischen Impulse kann ich mir von einem solchen Aufsichtsrat nicht vorstellen." Angesichts dauerhaft roter Zahlen und der internen Überschneidung von Sat 1 mit Pro Sieben bezweifelten die Kleinaktionärs-Vertreter, dass der Konzern wirklich zwei Vollprogramme brauche. he
Meist gelesen
stats