Pro Sieben Sat 1: Ebeling hält 2010 an Kostendisziplin fest

Donnerstag, 04. März 2010
Thomas Ebeling
Thomas Ebeling

Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1, gibt angesichts der nach wie vor hohen Unsicherheit im Werbemarkt noch keine Entwarnung. Immerhin ist der Manager aber etwas optimistischer als noch vor ein paar Wochen. So hat Ebeling seine Marktprognose für 2010 auf minus 2 bis plus 2 Prozent für den TV-Markt korrigiert. Im Januar lag sie noch bei minus 4 bis plus 2. Ebeling will auch in diesem Jahr vor allem auf die Kosten achten: "Um in diesem Marktumfeld auch künftig profitabel zu wachsen, wird uns eine straffe Kostenkontrolle weiter begleiten“, so der seit März 2009 amtierende CEO. Der Bereich Diversifikation wird durch die Ernennung von Dan Marks als Nachfolger von Marcus Englert gestärkt. Dank der Jahresendrallye und des massiven Sparprogrammes ist Pro Sieben Sat 1 aus dem Jahr 2009 mit einem blauen Auge herausgekommen. Der vergangene Woche gemeldete Umsatzrückgang von 5,5 Prozent – bereinigt um den Verkauf der Pay-TV-Tochter C-More – wäre ohne das starke vierte Quartal deutlich höher ausgefallen, das vor allem das wichtige Deutschlandgeschäft nach oben gezogen hat. Im deutschsprachigen Raum verbucht der Konzern für das Free-TV-Geschäft ein Minus von lediglich 2,2 Prozent. Der Konzern hatte jedoch schon 2008 deutliche Einbußen infolge des gescheiterten Rabattmodells hinnehmen müssen und war daher frühzeitig auf Sparkurs gegangen.

Insgesamt hat der Konzern 2009 die operativen Kosten um 9,6 Prozent auf 2,077 Milliarden Euro gesenkt, ein absoluter Rückgang von rund 220 Millionen Euro. Damit liegt Pro Sieben Sat 1 noch zehn Prozent über dem ursprünglichen Sparziel von 200 Millionen Euro. Den größten Beitrag leistete der Umzug des Senders Sat 1 von Berlin nach München. Im Zuge des Sparprogramms ist die Beschäftigtenzahl deutlich um 480 auf 4980 Mitarbeiter gesunken.

Der zweite Brocken bei den Einsparungen kommt aus dem Programm, unter anderem aus einer Erhöhung der Wiederholungen. Auf die Quoten hat sich dies jedoch nicht negativ ausgewirkt. Der Zuschauermarktanteil von Sat 1, Pro Sieben, Kabel Eins und N24 ist um 0,7 Prozentpunkte auf 30,1 Prozent gestiegen. "Die wachsende Zustimmung unserer Zuschauer und Kunden ist der beste Beweis dafür, dass Qualität des Programms und effizientes Kostenmanagement Hand in Hand gehen können.“

Vorstand Andreas Bartl, der den Bereich German Free-TV verantwortet, hat nach dem Umzug von Sat 1 nach München eine komplexe Matrixstruktur eingezogen und alle vier Sender stärker vernetzt. Seitdem wird auch das Programm besser aufeinander abgestimmt, was sich nicht zuletzt in den Quoten wiederspiegelt. Das Comeback von Sat 1 ist jedoch trotz teuerer Einkäufe wie Johannes B. Kerner und Oliver Pocher bislang ausgeblieben. 2010 will Bartl den Sender nun wieder mit Eigenproduktionen wie deutschen Serien nach vorne bringen.

Ebeling bekräftigt seinen Kurs, die Abhängigkeit vom volatilen Werbegeschäft senken zu wollen. Der CEO hatte angekündigt, bis 2014 nur noch 70 Prozent des Umsatzes mit Werbung zu erzielen, der Rest soll aus dem Bereich Diversifikation kommen, der bislang Geschäfte von Music über Pay-TV bis zu den Beteiligungen bündelt. Dazu will er auch 2010 die Media-for-Revenue und Media-for-Equity-Deals ausbauen. Einem Dutzend Firmen stellt Pro Sieben Sat 1 Werbfläche gegen Umsatz- oder Anteilsbeteiligung bereit. Den Ausbau des Pay-TV-Geschäfts wird federführend Dan Marks vorantreiben, der am 1. Mai Marcus Englert als Vorstand New Media ablöst.

Wie bereits vergangene Woche in einer Ad-hoc-Meldung verkündet, ist der Jahresüberschuss auf 144,5 Millionen Euro gestiegen – nach einem Verlust in 2008 von 119,1 Millionen Euro. Das Recurring Ebitda stieg um 6 Prozent auf 696,5 Millionen Euro. Die massive Verschuldung von 3,3 Milliarden Euro bleibt jedoch nahezu unverändert. Entsprechend schlägt der Vorstand auch dieses Jahr nur eine Dividende von 0,02 Euro, insgesamt rund 2,1 Millionen Euro vor. Der Konzern gehört zum Großteil den Finanzinvestoren KKR und Permira. pap
Meist gelesen
stats