Pro Digital TV fordert Product Placement

Dienstag, 07. April 2009
Der Verband macht sich für Product Placement stark
Der Verband macht sich für Product Placement stark

Nachdem die Verlegerverbände VDZ und BDZV gefordert haben, das Verbot für Product Placement in Deutschland aufrecht zu erhalten, gehen die Sender in die Offensive. Pro Digital TV, der Verband der digitalen Zielgruppensender, spricht sich vehement für eine Liberalisierung aus. "Zu einem themenspezifischen Programmumfeld, wie es Zielgruppensender bieten, gehören Informationen über neue Produkte, Angebote und Services", sagt Kai Flatau, Medienrechtler und Koordinator von Pro Digital TV. Es sei absurd und realitätsfern, den Unternehmen den Zugang zur Werbewirtschaft weiterhin zu verweigern.

Die Länder müssen die EU-Richtlinie für audivisuelle Medien bis Ende Dezember 2009 in nationales Recht umsetzen. Sie sieht unter anderem vor, dass Product Placement - also die Einbindung von Produkten in TV-Formate zu werblichen Zwecken und gegen Entgelt - liberalisiert wird. Die großen Sendergruppen-Vermarkter IP Deutschland und Seven-One Media rechnen mit Mehrerlösen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. pap

Mehr dazu in HORIZONT 15/2009 von Donnerstag, 9. April 2009.

Die EU-Mediendienste-Richtline im Wortlaut

Die EU-Mediendienste-Richtline im Wortlaut

(1) Produktplatzierung ist untersagt.

(2) Sofern die Mitgliedstaaten nichts anderes beschließen, ist Produktplatzierung abweichend von Absatz 1 zulässig
- in Kinofilmen, Filmen und Serien für audiovisuelle Mediendienste, Sportsendungen und Sendungen der leichten Unterhaltung oder
- wenn kein Entgelt geleistet wird, sondern lediglich bestimmte Waren oder Dienstleistungen wie Produktionshilfen und Preise im Hinblick auf ihre Einbeziehung in eine Sendungen kostenlos bereitgestellt werden.
- Die Abweichung nach dem ersten Gedankenstrich gilt nicht für Kindersendungen.
/Sendungen, die Produktplatzierung enthalten, müssen mindestens alle folgenden Voraussetzungen erfüllen:
a) Ihr Inhalt und - bei Fernsehsendungen - ihr Programmplatz dürfen keinesfalls so beeinflusst werden, dass die redaktionelle Verantwortung und Unabhängigkeit des Mediendiensteanbieters beeinträchtigt wird.
b) Sie dürfen nicht unmittelbar zu Kauf, Miete bzw. Pacht von Waren oder Dienstleistungen auffordern, insbesondere nicht durch spezielle verkaufsfördernde Hinweise auf diese Waren oder Dienstleistungen.
c) Sie dürfen das betreffende Produkt nicht zu stark herausstellen.
d) Die Zuschauer müssen eindeutig auf das Bestehen einer Produktplatzierung hingewiesen werden. Sendungen mit Produktplatzierung sind zu Sendungsbeginn und -ende sowie bei Fortsetzung einer Sendung nach einer Werbeunterbrechung angemessen zu kennzeichnen, um jede Irreführung des Zuschauers zu verhindern.
In Ausnahmefällen können die Mitgliedstaaten von den Anforderungen des Buchstabens d) absehen, sofern die betreffende Sendung nicht vom Mediendiensteanbieter selbst oder von einem mit dem Mediendiensteanbieter verbundenen Unternehmen produziert oder in Auftrag gegeben wurde.

(3) Sendungen dürfen unter keinen Umständen die folgenden Produktplatzierungen enthalten:
Produktplatzierung zugunsten von Zigaretten oder Tabakerzeugnissen oder zugunsten von Unternehmen, deren Haupttätigkeit die Herstellung oder der Verkauf von Zigaretten und anderen Tabakerzeugnissen ist, oder Produktplatzierung zugunsten von bestimmten Arzneimitteln oder medizinischen Behandlungen, die in dem Mitgliedstaat, dessen Rechtshoheit der Mediendiensteanbieter unterworfen ist, nur auf ärz liche Verordnung erhältlich sind.

(4) Die Absätze 1, 2 und 3 gelten nur für Sendungen, die nach dem 19. Dezember 2009 produziert werden.
Meist gelesen
stats