Privatsender machen ARD und ZDF Sparvorschläge

Montag, 09. August 2010
Der VPRT rechnet ARD und ZDF ihr Sparpotenzial vor
Der VPRT rechnet ARD und ZDF ihr Sparpotenzial vor

Der Schlagabtausch zwischen den privaten TV-Sendern und den vorwiegend gebührenfinanzierten Kanälen ARD und ZDF geht weiter: Rund eine Milliarde Euro Sparpotenzial macht der Verband Rundfunk und Telemedien (VPRT) bei den beiden Anstalten und dem Deutschlandradio aus. Wie der "Spiegel" berichtet, hat sich der VPRT mit einem zehnseitigen Schreiben an eine neue Arbeitsgruppe der Unionsländer unter dem Vorsitz der Sächsischen Staatskanzlei gewandt und listet dort Kürzungspotenzial auf. Der Sportrechteetat könnte demnach um 40 Prozent gestrichen werden und damit rund 310 Millionen Euro einbringen. Auch das Spielfilmbudget würde der VPRT um 40 Prozent kappen und damit 146 Millionen Euro sparen. Neben diesen Einsparungen im Programmbudget haben die Privatsender auch andere Posten auf dem Kieker. Die sechs Digitalkanäle sollen demnach eingestellt werden, was weitere 220 Millionen Euro einbringen würde.

Zudem würde der VPRT der ARD einen Einstellungsstop verpassen, der wiederum für 145 Millionen Euro Ersparnis gut wäre. Die Anstalt habe zwar bis 2012 schon selbst Personaleinsparungen von knapp 400 Millionen Euro vorgesehen, sie plane jedoch "Mehrbedarf im Personalbereich" für neue Aufgaben. "Mit Blick auf die über 51.000 Mitarbeiter bei ARD, ZDF und Deutschlandradio scheint es mehr als fraglich, ob ein Mehrbedarf besteht", zitiert der "Spiegel" aus dem Hintergrundpapier des VPRT.

Hintegrund: Die beiden großen TV-Sendergruppen Pro Sieben Sat 1 und die Mediengruppe RTL Deutschland haben vergangenes Jahr im Zuge der Wirtschaftskrise gewaltige 220 Millionen Euro beziehungsweise 189 Millionen eingespart. Die vorwiegend gebührenfinanzierten ARD und ZDF mussten dagegen kaum zurückstecken. Da sie jedoch in den nächsten Jahren mit geringeren Gebühren rechnen, haben auch die einzelnen Anstalten nun schon diverse Sparprogramme vorgelegt. Dem VPRT scheint dies jedoch nicht weit genug zu gehen.

Zudem soll eine Kommission im Zuge der Umstellung von einer geräteabhängigen zu einer haushaltsabhängigen Gebühr prüfen, ob die Angebote von ARD, ZDF und Deutschlandradio nur dem Anspruch entsprechen, die Grundversorgung zu gewährleisten oder möglicherweise weit darüber hinausgehen. pap
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