Private Fernsehsender kritisieren Tagesschau.de scharf

Montag, 15. Februar 2010
Jürgen Doetz: "Relikt des kalten Medienkriegs"
Jürgen Doetz: "Relikt des kalten Medienkriegs"

Nach den Verlagen melden sich nun auch die Fernsehsender im Streit um einen Ausbau von Tagesschau.de zu Wort. Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) kritisiert die vergangene Woche von Spiegel Online veröffentlichte Position des für die "Tagesschau" zuständigen NDR-Rundrunkrates scharf. Das Gremium prüft derzeit das erweiterte Konzept für das Portal, das zahlreiche Branchenvertreter für nicht mehr im Einklang mit geltendem Recht halten. Mit seiner "pauschalen und völlig undifferenzierten Einordnung von Tagesschau.de als multimediales, nicht sendungsbezogenes Angebot" habe der NDR-Rundfunkart versucht, "zentrale Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrags und die Grenzen zur elektronischen Presse zu umschiffen", kritisiert der VPRT. Mit einer solchen Einordnung wären Angebote ohne inhaltliche Beschränkungen und ohne Sendungsbezug möglich - die Regel, dass Inhalte nur sieben Tage im Netz abrufbar wären, träte damit außer Kraft.

"Das, was der NDR-Rundfunkrat und seine Vorsitzende, Dagmar Gräfin Kerssenbrock, als Position zu Tagesschau.de vertreten, ist ein Relikt des kalten Medienkrieges", wettert VPRT-Präsident Jürgen Doetz. Das Verhalten zeige, dass der Brüsseler Beihilfekompromiss "den Norden der Republik noch nicht erreicht hat". Bundesregierung und EU-Kommission hatten sich darauf geeinigt, dass neue Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender einer genauen Prüfung unterzogen werden müssen. Ziel war sicherzustellen, dass die staatlich finanzierten Sender den Markt nicht unnötig verzerren.  pap
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