Printgipfel: Für Ringier ist Paid Content kein Thema

Donnerstag, 14. Oktober 2010
Lars Hinrichs kauft sich keine Zeitschriften mehr
Lars Hinrichs kauft sich keine Zeitschriften mehr

Beim Printgipfel der Medientage München äußerten sich Experten skeptisch in Bezug auf die künftigen Chancen von Paid Content. Das provokanteste Statement lieferte Lars Hinrichs, CEO Cinco Capital und Gründer von Xing: "Ich habe mir schon lange keine Zeitschrift und Zeitung mehr gekauft. Ich lese sie nur noch im Flugzeug, wo sie kostenlos ausliegen. Ich kann mir auch kein redaktionelles Angebot vorstellen, in das ich investieren würde." Bezahlinhalte können seiner Meinung nach nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Verlage auf diesem Gebiet zusammentun und sich auf eine einheitliche Strategie einigen. Das sei aber ein äußerst unrealistisches Modell. Dass eine Maut für einzelne Angebote wie Spiegel Online funktioniert, daran glaubt Hinrichs nicht.

Hans Gasser, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen und Vorstand des Wirtschaftsblatt Verlags, hält dagegen: "Wir haben 30 Prozent unserer Inhalte im Web mit einer Bezahlschranke versehen und die Nutzerzahlen sind nicht eingebrochen." Er will daher  den Anteil von Paid Content weiter nach oben schrauben. Gasser fordert von anderen Verlagsmanagern das gleiche Selbstbewusstsein, im Internet für journalistische Beiträge Geld zu verlangen. "Es ist gut, dass es Verlage wie Axel Springer gibt", lobt er beispielsweise den Berliner Wettbewerber. Online-Werbung werde viel zu schlecht bezahlt, als dass man sich allein darauf verlassen könne.

Dieses Modell eines Wirtschaftstitels ist laut Marc Walder, CEO Ringier Schweiz/Deutschland, jedoch nicht auf alle Segmente übertragbar: "Unser Portfolio besteht hauptsächlich aus General-Interest- und Boulevardtiteln. Paid Content im stationären Internet ist daher für mich kein Thema." Selbst im Mobile-Bereich hat er im Gegensatz zu vielen anderen Verlagsmanagern eine eher realistische Einschätzung. Die Statistiken zeigten, dass auch beim iPhone oder iPad die überwiegende Anzahl von Usern auf Gratis-Apps zugreifen. Seine Lösung des Dilemmas: "Medienhäuser müssen diversifizieren, um in den Journalismus investieren zu können." Selbst verlagsferne Angebote wie Haushaltsgeräte stellen für ihn keinen Widerspruch zum Printgeschäft dar. "Es lässt mich ruhiger schlafen, da ich mir nicht permanent Gedanken machen muss, wie das Zeitungsgeschäft morgen läuft." bn
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