Presseverkaufstest bei Norma offenbar noch nicht vollends in trockenen Tüchern

Dienstag, 14. Oktober 2003

Ganz so sicher wie bisher kolportiert ist die Ausweitung des Presseverkaufs-Tests auf die 15 Filialen von Norma offenbar doch noch nicht. Die Discounter-Kette soll unter anderem die von den Grossisten praktizierte, sogenannte Vertrauensremmission bemängelt haben, bei der die nichtverkauften Exemplare ohne gesonderte Abrechnung im Laden an die Grossisten zurückgehen. Außerdem ist wohl noch nicht klar, ob Norma tatsächlich die ursprünglich geplanten 80 bis 100 Titel ins Sortiment aufnehmen will.

Bisher haben sich Discounter und Grossisten jedoch noch auf keinen weiteren Verhandlungstermin geeinigt. Wie groß die Chancen für eine baldige Einigung sind, ist noch nicht klar. Frank Nolte, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Discounter beim Bundesverband Presse Grosso ist jedoch zuversichtlich: "Die Flächenproduktivität von Zeitschriften ist sehr groß. Daher ist die Aufnahme eines breiten Sortiments für jeden Discounter interessant." Bei Aldi ist man da offenbar anderer Ansicht. Hier bekamen weder die Bild-Gruppe noch die Grossisten bisher einen Fuß auf den Boden.

Die Erschließung von Discount-Ketten wie Norma oder Aldi liegt insbesondere der Bild-Gruppe am Herzen. "Die Bild wird nun mal überwiegend über den Einzelverkauf vertrieben, daher sind wir gezwungen, den Käuferströmen, die mehr und mehr zu den Discountern fließen, zu folgen", sagt Christian Nienhaus, Verlagsgeschäftsführer der Bild-Gruppe bei Axel Springer.

Gerade den regionalen und überregionalen Abo-Zeitungen müsste ein Ausbau der Verkaufsstellen entgegenkommen, da der Einzelverkauf bei diesen Titeln zunehmend an Bedeutung gewinne, wie Werner Schiessl, erster Vorsitzender des Verbands Presse Grosso auf der Jahrestagung des Bundesverbands Presse Grosso in Baden-Baden sagte. Um hier Boden gutmachen zu können, müssten die Verlage ihre Etats für den Vertriebsweg Einzelhandel jedoch deutlich steigern. Zudem müssten gerade bei Regionalzeitungen häufiger lokale Geschichten auf den Titel gehoben werden. Das Presse Grosso verzeichnet im fünften Jahr in Folge eine negatigve Umsatzentwicklung beim Vertrieb von Presseprodukten. Im 1. Halbjahr 2003 wurden mit 1,46 Milliarden Euro 1,6 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. ra
Meist gelesen
stats