Presserat rügt Burda-Yellow "Viel Spaß"

Freitag, 10. Juni 2011
Im Fall Michael Ballack verstand der Presserat keinen Spaß
Im Fall Michael Ballack verstand der Presserat keinen Spaß
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Presserat Michael Ballack Rüge Doppelleben Verletzung


Kein Spaß mehr: Der Presserat hat der Burda-Illustrierten "Viel Spaß" eine öffentliche Rüge wegen der Verletzung von Perönlichlkeitsrechten erteilt. Das Heft hatte unter der Überschrift "Ehe-Drama" spekuliert, ob Fußball-Star Michael Ballack ein geheimes Doppelleben mit einer anderen Frau führt. Dabei hatte die Redaktion ein Foto abgedruckt, dass bei einem Auftritt von Ballack für eine Hilfsorganisation entstanden war. Eine Mitarbeiterin der Organisation wurde in dem Text als "unbekannte Begleiterin" bezeichnet. Das unterstellte "Ehe-Drama" und "Doppelleben" des Fußball-Stars wurde nach Ansicht des Presserates allerdings nicht durch hinreichende Tatsachen gestützt. Die "moralisch abwertende Berichterstattung" war nach Auffasung des Beschwerdeausschusses daher "dazu geeignet, die Persönlichkeitsrechte und die Ehre von Ballack, seiner Frau sowie der betroffenen Mitarbeiterin der Hilfsorganisation zu verletzen". "Viel Spaß" ist bei seinen Schlagzeilen generell nicht gerade zimperlich: Die aktuelle Ausgabe zieren die Überschriften "Familientragödie", "Schulden-Horror" und "Sterbe-Drama".

Drei nicht-öffentlich Rügen kassierte außerdem die Berlin-Ausgabe der "Bild"-Zeitung und Bild Online für drei Berichte, in denen die Bilder von Straftätern nicht unkenntlich gemacht wurden. Dies ist laut Pressekodex nur zulässig, wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse an dem Fall besteht. In den vorliegenden Fällen überwog nach Auffassung des Presserates jedoch der Persönlichkeitsschutz der Betroffenen.

Wegen der Verletzung des Gebotes der Trennung von Redaktion und Werbung rügte der Presserat die Zeitschrift "Premius", die "Rheinische Post" und die "Bayerische Staatszeitung". Eine Rüge wegen Irreführung bekam außerdem die Zeitschrift "Von Frau zu Frau". Das Blatt hatte einen namentlich genannten Arzt abgebildet, der sich allerdings als Fotomodell entpuppte - ein Fall von wahrheitswidriger Berichterstattung und ein Verstoß gegen Ziffer 1 des Pressekodex.

Insgesamt behandelten die beiden Beschwerdeausschüsse des Presserats 90 Beschwerden. Neben den fünf öffentlichen und drei nicht-öffentlichen Rügen gab es 14 Missbilligungen und 27 Hinweise. In 35 Fällen wurden die Beschwerden als unbegründet erachtet. dh
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