Presserat rügt "Brand Eins" und "Bild"

Freitag, 28. September 2012
Der Presserat in dem Magazin einen Verstoß gegen Ziffer 7 des Pressekodex
Der Presserat in dem Magazin einen Verstoß gegen Ziffer 7 des Pressekodex
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Presserat Rüge Selbstkontrolleinstanz Pressekodex


Der Presserat hat nach der bereits gestern veröffentlichten Rüge gegen das Papst-Titelbild von "Titanic" heute über die weiteren Rügen der Selbstkontrollinstanz der Deutschen Presse informiert. Neben zwei Fällen in der "Bild"-Zeitung beziehungsweise auf Bild.de wurde auch das Wirtschaftsmagazin "Brand Eins" für eine Sonderveröffentlichung kritisiert. Nach Ansicht des Presserates hat das Magazin mit einer Sonderpublikation im Auftrag des Bundesverbandes der Pharamzeutischen Industrie gegen Ziffer 7 des Pressekodex verstoßen, die die klare Trennung von Werbung und Redaktion regelt. Die Beilage wurde auf dem Cover von "Brand Eins" als "Magazin über die Pharmaindustrie" bezeichnet und erweckte damit nach Ansicht des Presserats den Anschein einer Sonderausgabe, obwohl es sich um eine Auftragsproduktion handelte. "Durch diese Art von Publikation und das dahinterstehende Geschäftsmodell gerät die Glubwürdigkeit der Presse in Gefahr", urteilt der Presserat und sprach eine öffentliche Rüge gegen "Brand Eins" aus. Das Magazin wurde von einer Corporate-Publishing-Tochter von Brand Eins produziert. 

Eine öffentliche und eine nicht-öffentliche Rüge kassierte die "Bild": Die nicht-öffentliche Rüge erhielt Bild Online wegen der Berichterstattung über einen Mordfall. Ein Mann hatte seine beiden Nichten umgebracht. Bild  Online veröffentlichte Auszüge aus Briefen des Täters aus dem Gefängnis. Der Artikel enthielt ein Foto der beiden 8 und 11 Jahre alten Mädchen. Der Presserat sah darin einen schweren Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex. Danach müssen Opfer besonders geschützt werden. Ein öffentliches Interesse an der identifizierenden Abbildung bestand nicht.

Öffentlich gerügt wurde dagegen die Veröffentlichung des Bildes eines vermeintlichen Mordopfers durch die "Bild" und Bild Online. Die Zeitung hatte das Foto einer Frau veröffentlicht, die den gleichen Namen wie ein Mordopfer trägt. Aus Sicht des Presserates gab es kein begründbares öffentliches Interesse an der Veröffentlichung eines solchen Fotos. Die Zeitung verstieß damit in schwerer Weise gegen Ziffer 8 des Pressekodex und gegen die Sorgfaltspflicht.

Keinen Verstoß gegen den Pressekodex sah der Presserat dagegen in einer Folge der "Bild-Kolumne "Post von Wagner", in der sich der Autor kritisch mit dem Gesetzesentwurf zur Gleichstellung  homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe beschäftigt. Insgesamt gingen beim Presserat 72 Beschwerden gegen die Kolumne ein. Der Presserat sah diese allerdings vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Eine Diskriminierung oder Herabwürdigung von Homosexuellen sah das Gremium in dem Kommentar nicht. Die Beschwerden wurden deshalb zurückgewiesen. 

Insgesamt behandelte der Presserat in seinen jüngsten Sitzungen 412 Beschwerden. Die Ergebnisse: 3 öffentliche Rügen, 1 nicht-öffentliche Rüge, 16 Missbilligungen, 27 Hinweise. 111 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. In 31 Fällen wurden die Beschwerden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet. dh
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