Presserat-Bilanz: "Titanic" und "Post von Wagner" brachten Gemüter in Wallung

Dienstag, 05. Februar 2013
Das Cover der "Titanic" zeigte den Papst mit Urinfleck im Schritt
Das Cover der "Titanic" zeigte den Papst mit Urinfleck im Schritt

Der Deutsche Presserat hatte auch im vergangenen Jahr viel zu tun: 1.500 Menschen wandten sich 2012 an die Freiweillige Selbstkontrolle der Presse, um redaktionelle Beiträge prüfen zu lassen. Damit bleibt die Zahl der Beschwerden im Vergleich zu den vergangenen Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau. Besonders ein "Titanic"-Cover und eine "Bild"-Kolumne gerieten ins Visier der Leser. Insgesamt sprach der Presserat 17 öffentliche und 5 nicht-öffentliche Rügen sowie 51 Missbilligungen und 91 Hinweise aus. 24 Beschwerden waren begründet, es wurden aber keine Maßnahmen eingeleitet. Und 220 Beschwerden stellten sich als unbegründet heraus. Die meisten Beschwerden - 436 Fälle - richteten sich gegen Regional- und Lokalzeitungen. Es folgen die Publikumszeitschriften (320 Fälle) und die Boulevardzeitungen (198 Fälle). Nur ganz wenige Beschwerden erreichten den Presserat gegen Wochen- und Sonntagszeitungen (26), Fachzeitschriften (11) und Nachrichtenagenturen (3).

Als auffällig bezeichnete der Presserat, dass manche Berichterstattung gleich einen regelrechten Strom an Beschwerden nach sich gezogen habe. So hätten sich rund 180 Leser über das Papst-Cover der Satirezeitschrift "Titanic" mokiert, während die "Bild"-Kolumne "Post von Wagner" zu Homosexualität und Ehe rund 70 Beschwerden provoziert habe. Insgesamt 60 Leser baten um eine presseethische Prüfung von zwei Beiträgen zu Thilo Sarrazin, einer "Taz"-Kolumne und ein Kommentar in der "Berliner Zeitung"/"Frankfurter Rundschau". "Die Fälle wurden in der Medienbranche, aber auch in der Öffentlichkeit insgesamt ausführlich diskutiert. Wie weit darf die Presse gehen, wo endet eine Kritik, wo beginnt eine Diffamierung? Solche ethischen Diskurse anzustoßen, ist eines unserer Hauptanliegen", sagt Presserats-Sprecherin Ursula Ernst.

Im Verhältnis zu den Vorjahren blieb die Zahl der Beschwerden auf hohem Niveau: 2011 waren es 1.323 Beschwerden, ein Jahr zuvor 1.661. Zum Vergleich: 2007 wandten sich lediglich 735 Leser an den Presserat, der seit 2009 auch für die Online-Auftritte der Verlage zuständig ist. Dass die Anzahl der Beschwerden sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt hat, sei kein Anzeichen für eine verminderte Qualität der Berichterstattung, so Ernst. "Es wurden prozentual gesehen nicht mehr Sanktionen ausgesprochen als in den vergangenen Jahren. Es zeigt jedoch die gestiegene Relevanz des Presserats in der Leserschaft, die sich mit der Qualität der Presse kritisch auseinandersetzt." ire
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