Presse statt Politik: Michael Naumann kehrt zur "Zeit" zurück

Freitag, 23. Mai 2008
Michael Naumann legt sein Mandat in Hamburg nieder
Michael Naumann legt sein Mandat in Hamburg nieder

Der gescheiterte Hamburger SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Naumann schlüpft nach seinem Ausflug in die Politik wieder bei der "Zeit" unter - wie zuvor als Mitherausgeber. Dies bestätigte der Verlag gegenüber HORIZONT; ein Zeitpunkt wurde noch nicht genannt. Nach Presseberichten legt Naumann sein Mandat in der Hamburger Bürgerschaft zum 15. Juni nieder, um wieder im Verlag tätig zu werden. In einem Brief an alle SPD-Mitglieder habe der 66-Jährige sein Ausscheiden aus der Politik damit begründet, dass sich seine Arbeit bei der "Zeit" nicht mit dem notwendigen Aufwand vereinbaren lasse, den ein Bürgerschaftsmandat mit sich bringe, heißt es. Damit bricht Naumann ein Wahlversprechen, denn im Wahlkampf hatte er bekräftigt, auch im Falle einer Niederlage gegen den neuen und alten Bürgermeister Ole von Beust in der (Oppositions-) Politik bleiben zu wollen.

Naumann hatte sich vor gut einem Jahr bei der "Zeit" für die Dauer des Wahlkampfs beurlauben lassen. In der Zwischenzeit fungierten als aktive Herausgeber der "Zeit" Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und der Publizist Josef Joffe. Der langjährige Chefredakteur und Herausgeber Theo Sommer firmiert als Autor und Editor-at-Large, Chefredakteur ist seit Mitte 2004 Giovanni di Lorenzo.

Naumann begann seine Karriere nach Studium und Promotion beim "Münchener Merkur". 1970 wechselte er zur "Zeit" und war dort einer der Gründungsredakteure des "Zeit"-Magazins. Nach diversen Lehraufträgen kehrte er 1979 für einige Jahre zur "Zeit" zurück. Von 1985 bis 1995 leitete er den Rowohlt-Verlag, 1999 war Naumann unter Bundeskanzler Gerhard Schröder als Staatsminister für Kultur und Medien politisch aktiv. Anfang 2001 wechselte er als Mitherausgeber zur "Zeit" und leitete diese bis August 2004 auch als Chefredakteur.
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