Presse Grosso gibt düstere Prognose bis 2013

Dienstag, 16. September 2008
Verbands-Chef Werner Schiessl: Anforderungen steigen
Verbands-Chef Werner Schiessl: Anforderungen steigen

Die Aussichten für den Presseeinzelverkauf in den kommenden Jahren sind alles andere als rosig. Der Bundesverband Presse-Grosso (BVPG) rechnet mit einem Umsatzverlust von rund 1,1 Milliarden Euro bis zum Jahr 2013. Hauptgründe hierfür seien unter anderem das sinkende verfügbare Einkommen für Medienkonsum, die Elektronischen Medien und damit verbunden ein verändertes Mediennutzungsverhalten, Titeleinstellungen aber auch das Aufkommen von Gratiszeitungen. "Wir bewegen uns in einem hochfragmentierten Markt, der sehr personalintensiv ist und hohe Marktbearbeitungskosten erfordert. Die Anforderungen an den Vertrieb steigen", sagt Werner Schiessl, 1. Vorsitzender des BVPGs auf dem Jahreskongress in Baden-Baden. Aufgrund der negativen Halbjahresergebnisse - der Umsatz im Kerngeschäft sank um 2,1 Prozent, der Absatz um 4,5 Prozent - geht er davon aus, dass in diesem Jahr keine Trendwende gelingt.

Darauf deutet auch die langfristige Marktentwicklung hin: Der Grosso-Absatz schrumpfte in den vergangenen zehn Jahren um 28 Prozent, der Umsatz ging im selben Zeitraum um fast 15 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2007 zurück. Jährlich verlor das Grosso in den vergangenen fünf Jahren zwischen 40 und 110 Millionen Euro Umsatz. Und auch die Anzahl der Grosso-Betriebe sank: Von 1997 bis 2008 verringerte sich die Zahl der Grossisten von 96 auf 74, der Durchschnittsumsatz je Betrieb blieb dabei aber nahezu unverändert. Zusätzliche Probleme machen in diesem Jahr laut Schiessl "drastisch steigende Energie- und Personalkosten".

Trotz der düsteren Zukunftsaussichten meldet der BVPG auch Erfolge. Die Initiative "Grosso, die tun was" trägt Früchte: Die Einzelhändler mit einem Sortiment von mehr als 600 Zeitschriften, die im Rahmen der Qualitätsoffensive gezielt gefördert worden waren, steigerten ihren Umsatz binnen drei Monaten im Schnitt um 5,6 Prozent. Die Zahl der Sortimenter mit mehr als 600 Zeitschriften stieg seit 2002 um 37 Prozent. Zudem ist die Zahl der Titelneueinführungen - insgesamt wurden 267 periodisch erscheinende Neutitel im ersten Halbjahr eingeführt - sowie die Anzahl der Verkaufsstellen mit rund 119.232 auf einem hohem Niveau.

Künftig will der Verband seine Qualitätsoffensive fortsetzen. Außerdem sollen Pressehandel und Internet enger verzahnt werden: So können beispielsweise unter www.pressefinden.de User nach Titeln und Umkreishändlern suchen. Dadurch sollen vor allem die Käufer von Special-Interest-Titeln angesprochen werden. se

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