Presse-Grosso: Umsatz und Absatz gehen weiter zurück / Qualitätsmanagement soll weiter steigen

Dienstag, 13. September 2011
Frank Nolte
Frank Nolte

In den ersten sechs Monaten des Jahres ist der Absatz mit Presseprodukten um 5,41 Prozent zurückgegangen, der Umsatz um 3,2 Prozent. „Die Zahlen sind nicht so wahnsinnig erfreulich“, kommentiert Frank Nolte, 1. Vorsitzender des Grosso-Verbandes, die Halbjahresbilanz am Rande der Jahrestagung des Bundesverbandes Presse-Grosso (BVPG) in Baden-Baden. Für das Gesamtjahr rechnet Nolte mit einem etwas geringeren Rückgang. Bereits das 2. Quartal habe sich spürbar besser entwickelt als das 1. Quartal, sagte er gegenüber HORIZONT. Dass der Umsatz in geringerem Maße gesunken ist, als der Absatz, ist eine Folge der Preissteigerungen, die viele Verlage in den vergangenen Jahren durchsetzen konnten. "Bei den Verlagen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man für gut gemachte Produkte auch höhere Preise nehmen kann", sagte Nolte.

Insgesamt sind die Zahlen seit Jahren rückläufig. Allein zwischen 2001 und 2010 sank der Umsatz von 3,043 Milliarden Euro auf 2,604 Milliarden Euro. Der Absatz ist sogar dramatisch gesunken von rund 3,876 Milliarden verkauften Exemplaren in 2001 auf 2,698 Milliarden im vergangenen Jahr. Nolte ist angesichts der vielen Titelneustarts im Land-Segment und auch im Kinder- und Jugendbereich und der Erholung bei etablierten Titeln wie "Schöner Wohnen" trotzdem vorsichtig optimistisch, dass die Talfahrt verlangsamt, wenn nicht sogar gestoppt werden könnte.

Mit Sorge blickt Nolte nun Richtung Karlsruhe und Köln. Dort werden die beiden Verfahren verhandelt, die der Hamburger Bauer-Verlag angestrengt hat. Vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe geht es letztinstanzlich darum zu klären, ob Bauers Kündigung des Grossisten Mügge in Stade in Schleswig-Holstein zulässig war. Bauer hatte ohne Angabe von Gründen gekündigt. Die Entscheidung soll am 18. Oktober fallen.

Weitreichender dürfte aber die Rechtsprechung in einem zweiten Fall sein. Vor dem Landgericht Köln ist eine Klage anhängig, mit der Bauer feststellen lassen will, ob der Grossoverband wettbewerbswidrig handelt, in dem er die Konditionen zentral verhandelt. "Für die Branche ist das das gefährlichere Verfahren", sagt Nolte. Er geht davon aus, dass die Richter erst das Karlsruher Urteil abwarten werden, bevor sie ein Urteil fällen. Derzeit sind beide Seiten aufgefordert weitere Schriftsätze einzureichen. Erst dann wird es eine zweite Anhörung geben. Nolte rechnet damit, dass es nach dem Urteil zu einer Revision beim OLG in Düsseldorf kommen wird, das bundesweit für wettbewerbsrechtliche Fragen zuständig ist. Das gesamte Verfahren könnte sich damit noch zwei Jahre hinziehen.

Nolte hofft, dass es doch noch zu einer außergerichtlichen Einigung kommt. "Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt er. Den genauen Stand der Gespräche will er nicht berichten.

Kai C. Albrecht
Kai C. Albrecht
Sollte Bauer Recht bekommen, so ist der Verband zuversichtlich, dass die Politik eine gesetzliche Regelung finden wird, um die wettbewerbsrechtlich bedenkliche Konstruktion am Leben zu erhalten. Der politische Wille, das System zu erhalten, ist vorhanden“, sagt Kai C. Albrecht, Hauptgeschäftsführer des BVPG.

Um den Verlagen weniger Angriffsfläche zu bieten, arbeitet der Verband weiter an einem verbesserten Qualitäts- und Leistungsmanagement (QLM). Schon vor zwei Jahren hat der BVPG begonnen, die Qualität der insgesamt 68 Grosso-Firmen nach einheitlichen Kriterien zu bewerten. Das System umfasst 4 Bausteine. Zur Einzelhändlerbefragung kommen die Grosso-Selbstauskunft, die Marktkennzahlen und auch eine Verlagsbefragung. Diese Komponenten sollen über ein Punktesystem miteinander verknüpft werden.

Ziel ist es, mit diesen Instrumenten zu einer Zertifizierung der Grossisten zu kommen. "Wir wollen am Ende eine Art TÜV-Siegel haben und ein Instrument, um den fehlenden Wettbewerb auszugleichen", sagt Robert Herpold, der 2. Vorsitzende des Verbandes. "Doch das ist noch ein weiter Weg." Das Gütesiegel soll von einem unabhängigen Institut vergeben werden, das die Daten im Sinne des Datenschutzes auswertet. Im Moment ist AC Research in Aachen im Gespräch. Der Haken: Die Grossisten werden nicht dazu gezwungen an dem System teilzunehmen, sondern beteiligen sich freiwillig. pap
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