Presse Grosso-Diskussion: Junge Leser auf dem Rückzug

Mittwoch, 17. September 2008
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit"
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit"

Bekanntermaßen ist eine der großen Herausforderungen für Verlage, junge Leser an ihre Produkte heranzuführen. Wie, darüber diskutierten Chefredakteure, Herausgeber, Grossisten und Zukunftsforscher im Rahmen einer Podiumsveranstaltung zum Abschluss der dreitätigen Jahrestagung des Bundesverbands Presse Grosso. "Die letzten Jahre sind vergleichbar mit einem Blindflug. Wir wissen nicht genau, wie wir an die jungen Leser herankommen", fasst Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", die Auffassung vieler Verleger zusammen. "Aber wir können nicht darauf vertrauen, dass unsere Leser steinalt werden." Ein Hauptgrund, warum junge Leser den Printmachern verloren gehen, ist für "F.A.Z."-Herausgeber Günther Nonnenmacher, dessen Zeitung sich vor rund einem Jahr einem Relaunch unterzog, die Konkurrenz durch das Internet. "Die dort gebotene Information-on-demand kann eine Zeitung nicht leisten." Stattdessen habe sie andere Qualitäten.

"Spiegel"-Chefredakteur von Blumencron
"Spiegel"-Chefredakteur von Blumencron
Eine Rückführung der Leser von einem erfolgreichen Onlineprodukt zu Print ist ein schwieriger Spagat. "Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, früher für Spiegel Online verantwortlich, betont, dass die Spiegel Online-Nutzer mit durchschnittlich 35 Jahren nicht nur zehn Jahre jünger sind als der "Spiegel"-Nutzer, es handle sich auch um eine "ganz andere Zielgruppe".

Verlage tätigen den Hauptteil ihrer Investitionen derzeit in digitale Medien, der nächstgrößere Teil fließt in Printaktivitäten im Ausland, an dritter Stelle steht das inländische Printgeschäft. Dass das Internet Print oft in seiner Attraktivität überflügelt, könnte teilweise auch ein hausgemachtes Problem sein. So sei in der Vergangenheit seitens der Verlage immer wieder kommuniziert worden, wie wichtig das Internet unter Marketinggesichtspunkten ist. Di Lorenzo: "Wir dürfen aber nicht mit Parolen wie Online First permanent unser Printgeschäft schlecht machen." se
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