Premiereworld streicht seine Onlinepläne zusammen

Montag, 05. März 2001

Offiziell bestätigt wird nichts: Dennoch pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass Kirchs Pay-TV-Sender Premiere seine Onlinestrategie ändert. So sollen in Zukunft auf Premiereworld.de offenbar nur noch Programmpromotion und Abonnenten-Services geboten werden. Weiterer Content entfällt.

Im Sportbereich werde es nur noch die Themen Fußball, Boxen, Formel 1 und US-Sport geben, bestätigt ein Mitarbeiter. Nachgedacht wird auf redaktioneller Ebene zudem über Synergien zu der von Kirch New Media geplanten Zentralredaktion, die alle Kirch-Sender- und -Plattformen mit bestimmten Contents versorgen soll.

Der neue Online-Chef Michael Werber dürfte über die Entwicklung nicht sehr glücklich sein. Er muss seine Vision von einem Fußballmanager aufgegeben. Mit diesem Tool sollte der User virtuell seine Teams zusammenstellen und Trainer-Funktionen ausüber können. Zweck der Neuausrichtung sind einerseits die Einsparung von Kosten. Kirch hat mittlerweile einen zweistelligen Milliardenbetrag in Premiere gesteckt. Pro Tag werden immer noch schätzungsweise zwischen 2 und 3 Millionen Mark verbrannt.

"Wir kommentieren keine Gerüchte und Spekulationen zu wirtschaftlichen Daten", teilt Sprecherin Katrin Gogl mit. Sogar seitens einiger Mitarbeiter wird mit einem massiven Einstieg Rupert Murdochs in Kirchs Pay-TV-Geschäft gerechnet. Murdoch soll Pläne schmieden, die Münchner Plattform in sein Sky-Global-Network einzugliedern. Zuvor, genauer gesagt Mitte dieses Jahres, sollen offenbar die Programmpakete von Premiere wieder einmal neu geschnürt werden. Brancheninsider rechnen derweil nicht damit, dass Beate Uhse-TV den Durchbruch bringen wird.

Seitens Premiere unbestätigt bleibt die interne Rechnung, dass jeder Kunde sieben Jahre bei dem Bezahlfernseh-Anbieter bleibt. Somit bringt die Masse der Kunden in zehn Jahren im Durchschnitt nur knapp 500 Mark Umsatz. Hinzu kommt, dass offenbar 15 Prozent der Abonnenten ihre Monatsgebühr nicht zahlen. Wie stark die Manager von Premiere unter Druck sind, zeigt unter anderem der Wechsel von Technik-Chefin Gerrit Huy, 47, die Kirch Pay-TV dem Vernehmen nach nicht wie Gogl betont, "auf eigenen Wunsch" verlassen haben soll.

Wie aus Kreisen des Unternehmens zu erfahren ist, wurden die Probleme mit der D-Box nicht gelöst. Noch immer ärgern die Bedienbarkeit und offenbar auch Programmausfälle die Besitzer. Nun wird die Weiterentwicklung von technischen Standards künftig von der Kirch Pay-TV-Tochter Beta Digital abgewickelt. Gleichzeitig überprüft Premiere Alternativen zu der technisch veralteten Set-Top-Box.

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