"Preis-Überfall": Verlage kritisieren Preiserhöhungen im App-Store

Montag, 29. Oktober 2012
Viele Apps sind über Nacht teurer geworden
Viele Apps sind über Nacht teurer geworden

Apple hat in der Nacht auf Freitag die festgelegten Preise für Apps angehoben. Durchschnittlich stiegen die Preise im App-Store um rund 15 Prozent. Die Verlegerverbände VDZ und BDZV kritisieren die nicht angekündigten Preiserhöhungen als "inakzeptablen Eingriff in die Preishoheit der Verlage". Anbieter von Apps können den Preis für ihre Anwendungen im App-Store zwar selbst bestimmen, müssen sich dabei aber an festgelegte Preisstufen halten. Diese Preise wurden von Apple nun angehoben - offenbar ohne die Anbieter vorab über die Änderungen zu informieren. So wurde der Einstiegspreis von 79 Cent auf 89 Cent angehoben, für Apps, die bislang 1,59 Euro gekostet haben, werden ab sofort 1,79 fällig. Die Preistufe von 7,99 Euro wurde um einen Euro auf 8,99 Euro angehoben. Apple hat die Preiserhöhungen weder angekündigt noch begründet. Da die Preiserhöhungen vor allem den Euro-Raum betreffen, wird allerdings vermutet, dass das Unternehmen mit dem Schritt auf die Entwicklung des Wechselkurses reagiert. 

Für die  deutschen Verlage sind die Erhöhungen ein "Preis-Überfall" von Apple: "Die nicht angekündigten deutlichen Preisveränderungen von Apple für die Angebote im App-Store und iTunes-Store wirken sich als inakzeptabler Eingriff in die Preishoheit der Verlage aus, der ihrem wachsenden Mobile-Geschäft schadet und sich über die Kunden-Interessen hinwegsetzt", erklärten die Sprecher des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin.

Die zum Teil "erhebliche Erhöhung der Preise" habe die Kunden irritiert und bringe das auch gegenüber den entsprechenden Print-Produkten austarierte Preisniveau erheblich durcheinander, kritisieren die Verlegerverbände. Durch die Auto-Renewal-Funktion seien zudem Abos automatisch beendet worden. "Das Verhalten ist nicht erklärbar und absolut verantwortungslos", so die Sprecher weiter. Weder Verlage noch Nutzer seien vorab informiert worden.

"Diese Verletzung der Spielregeln wird Apple Sympathie kosten", glauben VDZ und BDZV. Vor allem aber schade dieses Vorgehen dem aufgebauten Vertrauen der Verlage zu Apple als Marktpartner und widerspreche Apples Rolle als Unterstützer von Paid-Content-Strategien. Zum Glück gebe es vor diesem Hintergrund weitere interessante Geschäftspartner im App-Markt, so die Verleger mit Blick auf die entsprechenden Dienste von Google (Android) und Microsoft (Windows 8). dh
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