Post-Streit: G+J stellt „Neues Zuhause" zur Disposition

Freitag, 21. November 2008
Umzüge bald ohne Gruner + Jahr?
Umzüge bald ohne Gruner + Jahr?

Außer Spesen nichts gewesen? Der Streit zwischen den Zeitschriftenverlagen über Kooperationen mit der Deutschen Post scheint eine neue Wendung zu nehmen - in Richtung Stopp jeder verlegerischen Zusammenarbeit: Nach HORIZONT.NET-Informationen stellt der Hamburger Verlag Gruner + Jahr im kommenden Jahr das Einrichtungs- und Ratgeberheft „Neues Zuhause" zur Disposition. Grund sind offenbar die monatelangen Querelen zwischen den Verlagen um ihren Umgang mit den Expansionsplänen der Post im Print-Werbemarkt. Die Hintergründe: „Neues Zuhause", das Kundenmagazin der Post für Haushalte, die aktuell umgezogen sind, erscheint seit Mai 2008 zweimal jährlich mit einer Auflage von jeweils 1,4 Millionen Exemplaren. Durch die Bearbeitung von Nachsendeaufträgen verfügt die Post über die entsprechenden Adressen. Produziert und vermarktet wird „Neues Zuhause" von G+J Corporate Media in Hamburg.

Da das Kundenmagazin der Post an einen abgegrenzten Empfängerkreis zugestellt wird, ist es mit „Einkauf Aktuell", jenem eingeschweißten Gratisbündel aus Werbebeilagen und TV-Programmübersicht, nur begrenzt vergleichbar, zumal hier die Post die Werbevermarktung selbst übernimmt. Die Postille „Einkauf Aktuell", mit der der Gelbe Riese (Staatsanteil: 30 Prozent) vor allem Tageszeitungs- und Anzeigenblattverlagen das Werbegeschäft erschwert, landet seit 2003 wöchentlich in mittlerweile 17,6 Millionen Briefkästen. Bemerkenswert: Bislang wird das Programmheft von der Agentur PPS bestückt - einer DPA-Tochter, die den Zeitungsverlagen gehört. Diese verdienen also an „Einkauf Aktuell", das sie parallel seit längerem auch juristisch bekämpfen, mit.

Doch die Kuriositäten gehen weiter: Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass ab Februar 2009 die Hamburger Burda-Verlagstochter Milchstraße die Produktion des „Einkauf Aktuell"-Programmteils übernehmen will, schlagen die Wellen wieder hoch: Nicht nur die Zeitungsverlage protestieren, sondern - hinter vorgehaltener Hand - auch manche Zeitschriftenhäuser. Sie befürchten bei einer Aufwertung von „Einkauf Aktuell" einen Dammbruch in Richtung Gratiszeitschriften und kritisieren, dass mit der Milchstraße ausgerechnet der Verlag des VDZ-Präsidenten Hubert Burda die Liaison mit der Post eingegangen sei. Dieser Vorwurf darf verwundern: Zum einen, weil es zuvor eine Ausschreibung gegeben hat, an der sich acht (Angabe Milchstraße) beziehungsweise eine zweistellige Anzahl (Angabe Post) Verlage beteiligt haben. Und zum anderen, weil Burdas Milchstraße nicht der erste Publikumsverlag ist, der mit der Post gemeinsame Sache macht - sondern eben G+J mit „Neues Zuhause".

Daher waren Anfang dieser Woche nicht wenige Zuhörer überrascht, als G+J-Deutschland-Vorstand Bernd Buchholz bei der Podiumsdiskussion auf den VDZ-Zeitschriftentagen sagte: „Ich halte es für falsch, dass wir Verlage Inhalte für die Post produzieren." Diese Spitze war offensichtlich gegen Burda und „Einkauf Aktuell" gerichtet - und unterschlug das eigene Post-Projekt. Dem Vernehmen nach hat das Thema anschließend auf der VDZ-Mitgliederversammlung für Zoff gesorgt. Ein Teilnehmer berichtet von einer „mit Vehemenz geführten Diskussion", in der der Burda-Deal, aber auch die G+J-Kooperation mit der Post unter Beschuss standen. Offenbar infolgedessen hat Burda seine Post-Pläne vorerst auf Eis gelegt. Offiziell klingt das so: „Wir diskutieren mit dem VDZ, ob und wie Verlage künftig generell mit der Deutschen Post zusammenarbeiten können. Wir sind zuversichtlich, eine zeitnahe Lösung im VDZ zu finden", sagt ein Milchstraße-Sprecher.

Und nicht nur Burda hat offenbar einen Rückzieher gemacht: Nach HORIZONT.NET-Informationen hat auch G+J hinter verschlossenen VDZ-Türen Kompromissbereitschaft signalisiert - und angedeutet, um des Branchenfriedens willen das Verlagsmandat für „Neues Zuhause" im Notfall zurückzugeben. Ein G+J-Sprecher mag das allerdings nicht bestätigen. Nur soviel: „Im kommenden Jahr werden Kooperationen zwischen der Post und den Verlagen insgesamt im VDZ erörtert." Dem Vernehmen nach soll das Thema spätestens im März 2009 auf der VDZ-Präsidiumssitzung geklärt werden. Zumindest bis dahin produziert G+J „Neues Zuhause" weiter - und Burda „Einkauf Aktuell" noch nicht. rp
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