Politik und Privatsender laufen Sturm gegen Royal total bei ARD und ZDF

Donnerstag, 28. April 2011
Royal total: Für das Erste berichten Ingo Zamperoni und Rolf Seelmann-Eggebert live aus London
Royal total: Für das Erste berichten Ingo Zamperoni und Rolf Seelmann-Eggebert live aus London


Es kam, wie es kommen musste: Die parallele Übertragung der Hochzeit von Prinz William & Kate Middleton durch ARD und ZDF hat erneut zu einer Diskussion über die Abstimmung zwischen den öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten geführt. Die Front der Kritiker geht quer durch alle Parteien und natürlich lässt sich auch der Privatsenderverband VPRT die Chance auf Kritik an der gebührenfinanzierten Konkurrenz nicht entgehen. "Wenn es denn noch einer Antwort auf die Frage bedurft hätte, ob es für die Programmgestaltung auch der Öffentlich-Rechtlichen nichts vorrangiger ist als die Quote, dann ist sie mit dieser Doppelübertragung beantwortet", sagt zum Beispiel der sonst so vornehm zurückhaltende Bundestagspräsident Norbert Lammert, der zuletzt mit dem Quasi-Piratensender des Bundestages selbst Probleme mit der Medienaufsicht hatte.

Auch aus den Bundesländern, die die Rundfunkgesetzgebung verantworten, kommt Kritik: "Das kann man den Menschen nicht vernünftig erklären - eine gemeinsame Berichterstattung von ARD und ZDF hätte ausgereicht", sagt zum Beispiel Martin Stadelmaier, SPD, Leiter der Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz, die die Medienpolitik der Länder koordiniert, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Ins gleiche Horn stößt der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Johannes Beermann von der CDU: "Die Sender sind Geschwister und keine Konkurrenten." Auch von den Grünen kommt Kritik: Die Doppelübertragung sei unnötig, meint die grüne Medienpolitikerin Tabea Rößner: "Oder sagt William auf einem Kanal Ja und auf dem anderen Nein?"

Auch die Privaten lassen sich nicht lumpen: Gleich vier Sender berichten parallel aus London
Auch die Privaten lassen sich nicht lumpen: Gleich vier Sender berichten parallel aus London
Auch von Seiten der privaten Konkurrenz kommt natürlich Kritik: "Zu einer Hochzeit gehören ja immer zwei, aber ARD und ZDF sind ja nicht die Protagonisten dieser Hochzeit", stichelt Jürgen Doetz, Präsident des Privatsenderverbands VPRT. Der Verzicht auf parallele Übertragungen gehöre zum "Fairplay" im dualen Rundfunksystem. Mit RTL, Sat 1 und den Nachrichtenkanälen N-TV und N24 übertragen übrigens gleich vier Privatsender die Hochzeit ebenfalls gleichzeitig, wobei N24 den Vogel abschießt: Der Sender will von 7 Uhr morgens bis voraussichtlich 17 Uhr abends zehn Stunden live aus London berichten. dh
Meist gelesen
stats