Playboy bittet die User zur Kasse

Montag, 17. September 2001
Michael Tenbusch, Playboy Online
Michael Tenbusch, Playboy Online

HORIZONT.NET-Interview: Michael Tenbusch, Geschäftsführer von Playboy Online, will im Jahr 2003 die Gewinnzone erreichen.

HORIZONT: Herr Tenbusch, Sie starten in einer Situation, in der es generell Internetangebote nicht leicht haben. Wie soll sich Playboy.de refinanzieren?
Tenbusch: Die erste Säule ist die Onlinewerbung. Mit unserem Vermarkter IAC haben wir einige neue Werbeformate kreiert. Beispielsweise kann der Kunde über eine Content-Ad seine Werbebotschaft direkt im redaktionellen Fließtext platzieren. Generell wollen wir Werbung und redaktionelle Inhalte sehr eng zusammenführen. Wir arbeiten im Lifestyle-Bereich mit einem TKP von 90 Mark, bei der Erotik und in der Rotation mit 60 Mark. Bis Ende des Jahres gibt es einen Einführungsrabatt von 40 Prozent.

Nach Vorbild der Amerikaner wollen Sie daneben in einem geschlossenen Bereich, dem Cyberclub, erotische Bezahlinhalte anbieten. Haben Sie keine Bedenken angesichts der großen Konkurrenz im Netz?
Tenbusch: Wir unterscheiden uns insofern, als wir definitiv keine pornographischen Inhalte anbieten. Wir beschäftigen uns mit schönen Frauen, aber auf eine sinnliche, ästhetische Art. Ein solches Angebot gibt es bislang in Deutschland nicht. Die Erfahrung aus den USA zeigt uns, dass der User bereit ist, dafür zu zahlen.

Wie viel soll er denn zahlen?
Tenbusch: Wir haben gestaffelte Preise: Die monatliche Fee wird 7,50 Euro betragen. Drei Monate sind für 18 Euro erhältlich, ein ganzes Jahr ist für 49 Euro zu buchen.

Wie viele Abonnenten brauchen Sie, damit sich der Cyberclub rechnet?
Tenbusch: Wir kommen mit etwa 10000 Kunden in die schwarzen Zahlen.

Eine dritte Erlösquelle soll E-Commerce sein. Was wird im Angebot sein?
Tenbusch: Vor allem "Playboy"- gebrandete Artikel, zum Beispiel Nachtwäsche für Frauen mit dem berühmten Häschen-Symbol. Wir beschränken uns dabei erst einmal auf einige Bereiche wie Textilien und Schmuck, wollen das Ange-bot aber bis Ende des Jahres ausweiten.

Playboy.com erreicht in den USA monatlich rund 100 Millionen Page-Impressions. Wie ist Ihre Zielvorgabe?
Tenbusch: Wir wollen innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre auf etwa 35 Millionen Page-Impressions monatlich kommen. Wirtschaftlich rechnen wir damit, dass wir im Jahr 2003 in die Gewinnzone kommen.

Wie viel hat Focus Digital in Playboy.de investiert?
Tenbusch: Einen einstelligen Millionenbetrag.

Das ist nicht gerade viel. Halten Sie sich bei den Marketingmaßnahmen für das neue Angebot ebenfalls zurück?
Tenbusch: Es wird auf jeden Fall keine große, medienübergreifende Kampag-ne geben. Wir werden jedoch Printan-zeigen, die die Agentur Rempen & Partner in Düsseldorf für uns entwirft, in Zeitschriften der Verlags-gruppe Milchstraße und des Burda-Verlages schal-ten, etwa in "TV Spielfilm" oder "Focus". Dazu wird es auf Partnerseiten auch diverse Onlinekampagnen geben. Wir vertrauen allge-mein jedoch darauf, dass die Marke "Playboy" einen so hohen Bekanntheitsgrad hat, dass das nicht nötig ist. Auf unserer Vorschauseite, die sich unter Playboy.de bislang fand, haben wir im-merhin schon 250000 Besucher pro Monat, die auf das Angebot warten.

Interview: Klaus Janke
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