Pirat Körner will mehr bayrische Polizei im Internet

Freitag, 26. Oktober 2012
Pirat Stefan Körner fordert eine größere Internetpolizei
Pirat Stefan Körner fordert eine größere Internetpolizei


Es war eine ordentliche Menge Geisteswissenschaft, mit der der Presseclub München den letzten Tag der Medientage eröffnet hat. Ein Soziologe, ein Politik- und ein Kommunikationswissenschaftler hatten auf dem Podium zur neuen Macht des Internets Platz genommen, doch die interessantesten Zitate waren doch eher trivial. Da berichtete Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter von vergangenen Prügeleien auf dem Schulhof, und Pirat Stefan Körner forderte mehr Polizei im Internet.
Über den "digitalen Striptease zur Hatz im Netz" wollte die Runde diskutieren, stolperte aber gleich zu Beginn über einen "digitalen Bruch", wie Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter bei der "Süddeutschen Zeitung", die unterschiedliche Sozialisation der Podiumsteilnehmer beschrieb. Denn das Netz sei nicht per se böse und gefährlich, wie viele, die nicht damit groß geworden seien, immer wieder implizierten. "Es ist die selbstverständliche Lebenswelt von Jugendlichen. Ein Großteil daran funktioniert völlig problemlos, genau wie es früher Ihre Rauferei war", sagte der 37-Jährige an den 70-jährigen Oberreuter gewandt. Aktuell fehle allerdings eine Beispielkultur für eine funktionierende digitale Debatte. Sowohl Professoren als auch Journalisten müssten sich verstärkt als professionelle Kommunikatoren in die Diskussionen einschalten und die neuen Kulturtechniken lernen – eingeschlossen der permanenten Prüfung ihrer Autorität im Netz.

Dennoch müssten vor allem Politiker vorsichtiger sein, sagte Stefan Körner, Landesvorsitzender der Piratenpartei Bayern: "Jemand wie Franz-Josef Strauß hätte heute keine Chance mehr, so erfolgreich zu werden. Früher hat es so lange gedauert, bis etwas bekannt geworden ist, da hat es schon niemanden mehr interessiert." Gleichwohl biete das Internet keinen rechtsfreien Raum, wenn es auch schwieriger sei, jemanden dingfest zu machen. In Bayern – laut Körner – übrigens ein Problem der falschen Verteilung der Staatsgewalt: "Wir haben hier 25 Polizisten, die sich mit dem Internet beschäftigen. 25! Warum bewegen sich nicht genauso viele Beamte in Foren wie im Englischen Garten?"

Theoretisch kein falsches Argument. Für den Soziologe Armin Nassehi führt das Internet an sich nicht automatisch zur Demokratisierung. "Man braucht Institutionen, die den Diskurs organisieren." Die Filterfunktion, die es beispielsweise bei den klassischen Printmedien gebe, fehle im Netz bislang völlig. "Wenn alles, was ich den ganzen Tag reden würde, in der Zeitung stehen würde, würde ich wahrscheinlich meinen schönen Posten verlieren", gab der Professor an der LMU München mit einem Augenzwinkern zu Bedenken. kl
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