Philipp Welte: "Panzer der TV-Vermarkter rollen ungestraft durch unseren Vorgarten"

Donnerstag, 08. November 2012
"Branche in finsterer Vibration": Philipp Welte (Foto: Petra Stadler/Hubert Burda Media)
"Branche in finsterer Vibration": Philipp Welte (Foto: Petra Stadler/Hubert Burda Media)


Kampfansage an TV-Vermarkter. Im Interview mit HORIZONT attackiert Burda-Vorstand Philipp Welte in ungewohnt scharfer Form die Preispolitik der TV-Konzerne: "Die Panzer der TV-Vermarkter rollen völlig ungestraft durch unseren Vorgarten und versuchen, uns aus dem Markt zu bomben – und die Verlage stehen da und winken mit dem Palmwedel." Auch für die eigene Zunft hat Welte kritische Worte: "Ich empfinde es als ein trauriges Signal für unsere Branche, wenn große Weggefährten offenkundig die Zukunft von Print in Zweifel ziehen und nicht sehen, was für ein lebendiges, großartiger Markt das ist." HORIZONT.NET dokumentiert die besten Aussagen von Welte aus dem Interview. "Wir stehen sehr gesund auf zwei starken Beinen: Der Konzern wächst in seinem digitalen Geschäftsfeld schneller als jedes Medienunternehmen mit Wurzeln in der Verlagswelt, gleichzeitig haben wir wohl eines der kraftvollsten Zeitschriftengeschäfte in Deutschland."

"Wir halten alle brav unsere "Expand your Brand"-Angel in den Werbeteich, dann kommen die Jungs von Google zum Dynamit-Fischen vorbei und der Teich ist praktisch leer. Da weisen schon einfache Grundrechenarten darauf hin, dass Displaywerbung für Verlage kein Geschäft sein kann, auf das allein sich eine Zukunft aufbauen ließe."

"Die Zeiten friedlicher Koexistenz sind vorbei"
"Die Zeiten friedlicher Koexistenz sind vorbei"
"Die Zeiten der friedlichen Koexistenz zwischen Fernsehen und Print sind vorbei, seit die digitalen Godzillas auf unseren Märkten wüten. Da läuft gerade wirklich ein knallharter Film ab."

"Die Kollegen der privaten Fernsehanbieter haben in erster Linie das Problem, dass sie aus werblicher Sicht qualitativ minderwertige Zielgruppen erreichen, das allerdings massenhaft. Wir erreichen qualitativ hochwertige Zielgruppen, das aber ebenfalls in sehr großen Reichweiten."

"Wir  bemühen uns krampfhaft, auf einem Auge blind zu werden und nicht zu sehen, was für ein tolles Medium Zeitschriften sind – und was für ein faszinierender Markt das ist. (...) Print ist ein Geschäft mit ordentlichen Renditen und nach wie vor großen Zukunftschancen, wenn man es richtig betreibt. Wenn man das allerdings nicht tut, bricht hier und da schon mal das große Zittern aus, was wir ja auch in diesem Jahr hautnah erlebt haben. Und dieses Zittern versetzt dann die ganze Branche in finstere Vibration, was mir wirklich Sorge bereitet."

"Wir winken mit dem Palmwedel"
"Wir winken mit dem Palmwedel"

"Ich halte es für fatal, eine Tageszeitung, ein vierzehntägliches Magazin und einen Monatstitel aus einer einzigen Redaktion heraus produzieren zu lassen oder einen  Chefredakteur auf vier, fünf Magazine zu setzen. Wir dürfen die Identitäten unserer Marken, ihre Persönlichkeiten nicht verwässern oder verwahrlosen lassen."

"Schauen wir doch noch einmal nüchtern auf dieses Jahr 2012: Da rollen die Panzer der TV-Vermarkter völlig  ungestraft durch unseren Vorgarten und versuchen, uns aus dem Markt zu bomben – und wir stehen da und winken mit dem Palmwedel. Wir müssen lernen, uns gemeinsam zu  verteidigen und den Mut haben, unsere Stärken auch zu zeigen!"

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Das ausführliche Interview mit Philipp Welte finden Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 45/2012 vom 8. November 2012.

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Der VDZ hatte in  diesem Jahr viele sehr schwierige Themen zu bewältigen mit sehr unterschiedlichen Frontverläufen. Jetzt gilt es, die Reihen zu schließen und gemeinsam zu stehen. Eine besonders wichtige Aufgabe ist es dabei, den Heinrich Bauer Verlag wieder stärker in den  Verband zu integrieren. Das ist ein wunderbarer Verlag, und es wäre eine Freude und ein  großer Gewinn für uns alle, wenn wir wieder stärker zusammenkommen könnten, um an  einem Strang zu ziehen." js


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