Petra Grotkamp will Mehrheit an WAZ-Gruppe übernehmen

Montag, 29. August 2011
Die WAZ-Mediengruppe steht offenbar vor einer Zäsur
Die WAZ-Mediengruppe steht offenbar vor einer Zäsur

Die Essener WAZ-Gruppe steht vor einem einschneidenden Eigentümerwechsel. Petra Grotkamp, Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke, will den Brost-Enkeln ihren 50-prozentigen Anteil an der Essener Zeitungsgruppe für 500 Millionen Euro abkaufen. Grotkamps Anwalt Andreas Urban bestätigte am frühen Abend einen entsprechenden Bericht des "Manager Magazins". Das Geschäft steht nach Informationen des Wirtschaftsmagazins offenbar bereits kurz vor dem Abschluss und soll in den nächsten vier bis acht Wochen abgewickelt werden. Mit den Brost-Enkeln wurde bereits ein sogenanntes "Term Sheet" unterzeichnet, in dem die Verkaufsabsicht und der Übernahmepreis fixiert wurde. "Über die wesentlichen Bedingungen des Erwerbs wurde zwischen Frau Grotkamp und den Mitgliedern der Familie Brost Einigkeit erzielt", heißt es in der Erklärung des Anwalts. "Frau Grotkamp hat dieses Angebot vor dem Hintergrund ihrer Verantwortung für die WAZ-Mediengruppe unterbreitet, um klare Gesellschafterstrukturen zu schaffen und sicherzustellen, dass die WAZ-Mediengruppe auch künftig als Familienunternehmen Erfolg haben kann", heißt es weiter. Petra Grotkamp, 68, ist die Tochter von WAZ-Mitgründer Jakob Funke und Ehefrau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp. Sie hält aktuell rund 16,7 Prozent an dem Unternehmen. 

Die Entscheidung liegt nun bei dem Anwalt Peter Heinemann, der als Testamentsvollstrecker bis 2015 die Interessen der Brost-Enkel vertritt. "Ich werde das alles gründlich prüfen und die testamentarische Verfügung des Erblassers und die Interessen der Enkel abwägen", lässt der Anwalt über die WAZ-Mediengruppe mitteilen.

Die Übernahme soll eine neue Ära bei dem Zeitungshaus einläuten: Man wolle "endlich wieder eine größere Rolle auf nationaler Ebene spielen", heißt es laut "Manager Magazin" bei dem Medienhaus. Die Gesellschafterverhältnisse bei der WAZ-Gruppe sind unübersichtlich. Die beiden Eigentümerfamilien Brost und Funke halten zwar über Verwaltungsgesellschaften jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen; die Anteile der beiden Gründer Erich Brost und Jakob Funke wurden allerdings im Laufe der Jahre auf eine Reihe von Erben aufgeteilt, die sich auch innerhalb der beiden Eigentümerfamilien nicht immer grün waren. Die komplizierten Besitzverhältnisse haben strategische Weichenstellungen in der Vergangenheit immer wieder erschwert, da formal alle Entscheidungen einstimmig getroffen werden müssen.

Sollte es zum Abschluss des Geschäfts kommen, wäre wohl auch die traditionelle Doppelspitze bei der WAZ-Gruppe Geschichte. Derzeit führen zwei Geschäftsführer die Geschicke des Verlags: Bodo Hombach als Vertreter der Brost-Seite und Christian Nienhaus, der die Interessen der Funke-Seite vertritt. Laut "Manager Magazin" würde Hombach im Fall einer Übernahme der Anteile der Brost-Enkel durch Petra Grotkamp seinen Posten räumen. Als alleinige Geschäftsführer kämen Nienhaus oder Manfred Braun, der das Zeitschriftengeschäft der WAZ (Gong Verlag) und das Verlagsgeschäft in Nordrhein-Westfalen führt, in Frage. dh
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