Pathos, Häme und Respekt: Wie über den Papst-Rücktritt berichtet wird

Dienstag, 12. Februar 2013
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Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. beherrscht heute die Titelseiten der großen Tageszeitungen. Von nachrichtlich ("FAZ") über pathetisch ("Bild") bis hämisch ("Taz") sind quasi alle erdenklichen Reaktionen dabei. HORIZONT.NET gibt einen kleinen Überblick über Papst-Cover vom heutigen Tage.

"Bild": "Keine Kraft mehr!"

Aufmerksamkeitsstark, in großen Lettern, aber kaum so geschichtemachend wie einst bei der Verkündung der Papst-Wahl 2005 ("Wir sind Papst") macht die "Bild" heute auf. Eine kleine Reminiszenz an die berühmte Überschrift von vor sieben Jahren gibt es allerdings: Vize-Chefredakteur Alfred Draxler ist auf der Aufmacherseite mit einem Kommentar vertreten. Der Titel: "Wir sind Mensch!" Zudem widmet die "Bild" dem Thema des Tage die Seiten 2 bis 5, gespickt mit Allerlei Rück- und Ausblicken und - natürlich - nochmal eine Rückschau auf die "Wir sind Papst"-Ausgabe vom 20. April 2005, von der Chefredakteur Kai Diekmann im Jahre 2010 dem Papst sein persönliches Exemplar überreichte.

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"Taz": "Gott sei Dank"

Dass die "Taz" dem Oberhaupt der katholischen Kirche nicht wohlgesinnt sein würde, zeigte die alternative Tageszeitung bereits in ihrer Ausgabe am 20. April 2005 anlässlich der Wahl Josef Ratzingers zum Papst. "Oh Mein Gott" prangte damals in weißen Buchstaben auf dem ansonsten pechschwarzen Hintergrund der Titelseite. Wie positiv und optimistisch dagegen nun die Aufmachung der heutigen Ausgabe: Schwarz auf weißem Grund ist dort "Gott sei Dank" zu lesen, darunter zwei leere rote Schuhe, wie sie Papst Benedikt trägt. An der Bebilderung hat die "Taz" allerdings nicht alleine gewirkt: Der Wahl des Titelbildes ging ein Facebook-Aufruf voraus. Und in diesem Stile geht es derzeit munter weiter: Die Facebook-Fans der Zeitung sind aktuell aufgerufen, den Weißraum auf der Seite möglichst kreativ zu füllen. Der beste Entwurf soll am Samstag in der Rubrik "aus der taz" veröffentlicht werden.
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"Welt Kompakt": "Respekt, Benedikt"

Die Kompaktausgabe der Tageszeitung "Welt" wählt zur Bebilderung eine ähnliche Perspektive wie die "Bild": Sie zeigt den davonschreitenden Papst von hinten, um den Abgang des Oberhauptes der katholischen Kirche zu symbolisieren. In der Schlagzeile mischen sich Meinung und Nachricht, immerhin soll es in der Berichterstattung auch um den Respekt gehen, der dem Papst weltweit für seinen Schritt entgegengebracht wird. Insgesamt widmet sich "Welt Kompakt" dem Rücktritt Benedikts auf sechs Sonderseiten.

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"FAZ": "Benedikt XVI. kündigt Rücktritt an."

Nüchtern, wie es sich für das konservative Aushängeschild der deutschen Medienlandschaft gehört, bereitet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" das Thema des Tages auf. Dazu gibt es einen Leitartikel von Herausgeber Günther Nonnenmacher und ein für "FAZ"-Verhältnisse recht größzügiges Aufmacherbild. Im Heftinneren widmet sich die Zeitung dem Papst-Rücktritt auf den Seiten 2 bis 4, etwa mit einem ausführlichen Porträt, der Rücktrittsankündigung in Deutsch und Latein sowie einer ganzen Seite mit Reaktionen aus Deutschland. Alles rot betitelt mit "Benedikt XVI. verzichtet auf sein Amt". Darüber hinaus gibt es im Feuilleton einen ganzseitigen Gastbeitrag des Schriftstellers Martin Mosebach, der den Tod von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. mit dem Rücktritt des Nachfolgers vergleicht.
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"Süddeutsche Zeitung": "Der Papst tritt zurück"

In Bayern wurde die Nachricht vom Rücktritt des Papstes mit besonders großem Interesse aufgenommen - immerhin wurde er hier am 16. April 1927 geboren, genauer in Marktl am Inn, und absolvierte den größten Teil seines Studiums im Freistaat. Die "SZ" behandelt das Thema entsprechend seiner Relevanz groß: Auf den ersten fünf Seiten gibt es  - mit Ausnahme der Meinungsseite - kein anderes Thema, der Tenor der Berichterstattung ist von Respekt gegenüber der Person des Papstes geprägt. Im letzten Buch der Zeitung, das traditionell Themen aus Bayern behandelt, gibt es dann doch noch einen Fokus auf das Papst-Thema aus bajuwarischer Perspektive. ire
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