Paid Content, Mobile und Co: Stephan Scherzers Bilanz vom Digital Innovators Summit

Donnerstag, 28. März 2013
Stephan Scherzer bei seinem Abschlussvortrag beim DIS 2013 (Bild: Ole Bader/sandwichpicker.com)
Stephan Scherzer bei seinem Abschlussvortrag beim DIS 2013 (Bild: Ole Bader/sandwichpicker.com)


Der 6. "Digital Innovators Summit", der mit vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ausgerichtet wird, ist Geschichte - doch die Konferenz wird noch lange nachwirken. Paid Content, Mobile, digitale Werbevermarktung waren die großen Themen auf dem zweitägigen international ausgerichteten Branchenevent. Gegenüber HORIZONT.NET blickt VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer auf den DIS 2013 zurück und erläutert die Learnings aus der Konferenz. Herr Scherzer, wie fällt Ihr persönliches Fazit des Digital Innovators Summit aus? Mit einem Rekord von 500 Besuchern aus 36 Ländern und 44 Top-Sprechern spielt der DIS in der Liga der internationalen Topkonferenzen zur Zukunft der Medien. Für mich gab es viel Anregung, Inspiration und sehr konkrete Beispiele, die das Geschäft der Verlage betreffen. Damit hat der VDZ eine Konferenz entwickelt, die uns auf Augenhöhe mit den mediale Zukunfts-Entwicklungen hält. Es macht Freude, diese Plattform zu entwickeln.

Was hat sich gegenüber vergangenen Veranstaltungen verändert? In den ersten DIS-Jahren wurde viel über die Zukunft, die Erwartungen und Trends der Digitalbranche gesprochen. In den vergangenen zwei Jahren ging es verstärkt um die tatsächliche Umsetzung im laufenden Geschäft. Transmedia Publishing, also das strategische Bespielen aller Plattformen und die kluge Verknüpfung von Print, Digital und Social, stehen im Mittelpunkt. Es gibt zahlreiche, richtig gute Fallstudien erfolgreicher Verlage und die Verbreiterung des Themenspektrums durch Sessions hat sich für die Besucher gelohnt.

Exklusiv für Abonnenten

Exklusiv für Abonnenten
Mehr zum Digital Innovators Summit lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe.
HORIZONT abonnieren

HORIZONT E-Paper abonnieren
HORIZONT for iPad beziehen


Paid Content war ein Megathema auf dem Kongress: Welche neuen Erkenntnisse brachte der Gipfel diesbezüglich?
Es gibt endlich eine solide Diskussion zu diesem Thema und auch gute Beispiele sowie technologische Antworten, sowohl von den Verlagen als auch von Lösungsanbietern. Neben Werbung, Transaktions- und E-Commerce-Modellen werden Umsätze vom Leser auf die ein oder anderer Weise eine wichtige Rolle spielen müssen. Zum einen, um die Erlöse zu steigern, zum anderen aber auch, um den Wert der journalistischen Inhalte und der Arbeit der Verlage zu verdeutlichen. Die aktuell härteste Medienwährung haben wir mit Print: bezahlte Abos und Kioskprodukte, die mit uneingeschränkter Aufmerksamkeit konsumiert werden. Im Digitalgeschäft gibt es eine große Chance, aktiv zu werden und mutig eine weitere Erlösmöglichkeit zu entwickeln. User zahlen auch bei Google oder Facebook in diesen Fällen via Daten, Nutzerprofile und Verhaltensinformationen. There is no such thing as a free lunch für gute Information, Kuratierung und gutes Packaging gibt es eine Bereitschaft zu bezahlen, unabhängig ob in Print oder Digital.

Viel Beachtung fand auch das Thema Mobile. Gemessen an den zahlreichen auf dem Kongress vorgestellten Best Cases: wo stehen wir hierbei in Deutschland? Die Verlage haben mit ihren Marken kein Problem, die mobilen Endgeräte mit Inhalten zu bespielen. Die AGOF-Zahlen zeigen, dass die Inhalte von Zeitschriften und Zeitungen enorm gut abgerufen werden die Mobilreichweiten explodieren. In vier bis fünf Jahren wird weit über die Hälfte des globalen Internet-Traffics auf mobilen Endgeräten laufen. Auf diese Entwicklung müssen wir uns schnell einstellen. Jetzt müssen die Geschäftsmodelle nachgezogen werden: Werbung, Transaktion, E-Commerce und Paid Content sind die Stichworte.

In einem "FAZ"-Interview haben Sie die kommenden Googles und Facebooks in China oder Russland verortet. Vertreter von dort sind aber auf europäischen Kongressen unterrepräsentiert, so auch auf dem Digital Innovators Summit. Woran liegt das und wie problematisch ist das? Aktuell kommen die wichtigsten Megaplattformen tatsächlich aus den USA die Heimatmärkte dieser Konzerne sind so groß, dass dort enorm skaliert werden kann. Die Internationalisierung ist dann sehr viel einfacher. Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung von Facebook in Deutschland im Vergleich mit StudiVZ. Die Engeneering-Power der globalen Konzerne ist den lokalen Unternehmern aus kleinen Märkten zu überlegen. Google, Apple, Facebook und Amazon beschäftigen mehr Ingenieure und Entwickler als die deutsche Verlagsindustrie insgesamt Redakteure hat. China und Rußland haben ebenfalls riesige lokale Märkte: mit Baidu, Sina Weibo, Alibaba, Tencent oder Yandex aus Russland sind dort Konzerne entstanden, die international konkurrenzfähig sind. Es wird dann problematisch wenn sich Monopolstrukturen ergeben, Spielregeln nicht für alle gelten und dadurch auch Innovation verhindert wird. Hier ist vor allem die europäische Ordnungspolitik gefragt, um vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen.

Was wird Ihrer Einschätzung nach beim nächsten Digital Innovators Summit auf der Agenda stehen? Geschäftsmodelle, Mobile, Paid Content, Paid Services, Zusammenarbeit mit StartUps und ein weiteres schönes DIS-Fest, auf dem sich die internationale Verlagsbranche gut gelaunt über die Chancen der Digitalsierung austauscht. Interview: Ingo Rentz
Meist gelesen
stats