Paid Content: Google muss es richten

Montag, 31. Oktober 2011
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Internetkonzerne wie Google und Facebook sind, wenn es um Umsatz, Innovationen und Geschäftsmodelle geht, den Verlagen seit geraumer Zeit um Lichtjahre voraus.  Nun verabschiedet sich ausgerechnet Google partiell von der Gratiskultur im Netz - eine Maßnahme, die den Medienhäusern bei der Durchsetzung von Paid Content helfen könnte. Google und die Medien - das ist eine seit Jahren eine überaus bemerkenswerte Hassliebe. Seine Milliardengewinne verdankt der Suchmaschinenkonzern - indirekt - auch dem Internet-Content der Zeitungen, Magazine und TV-Sender. Umgekehrt profitieren diese von den Google-Ergebnislisten.

Nun will sich der Internet-Konzern neue Einnahmequellen sichern. Nach einem „FTD"-Bericht müssen Unternehmen künftig bezahlen, wenn sie den Dienst Google-Maps in ihre Website einbinden wollen - vorausgesetzt, die Seitenabrufe liegen über 25.000 am Tag. Bei höheren Zugriffen müssen die Unternehmen je 1000 Aufrufe 4 bis 10 Dollar bezahlen. Die Maßnahme soll laut Produktmanager Thor Mitchell die „langfristige Zukunft" von Google Maps sichern. Von der Maßnahme seien allerdings nur 0,35 Prozent alle Websites betroffen, so die Schätzung von Google.


Den Analysten dürfte dieser Strategiewechsel gefallen. Schon seit längerem wird Googles Abhängigkeit von Werbeerlösen moniert. Dies gilt auch für Google Maps: Der Dienst finanziert sich derzeit vor allen Dingen von den Werbeeinblendungen lokaler Unternehmen. Der Schritt Richtung Paid Content dürfte auch den Medien passen. Diese versuchen bekanntermaßen verzweifelt, Internet-Nutzer zum Bezahlen zu animieren. Bislang mit wenig Erfolg. Auch das iPad, der große Hoffnungsträger der Content-Anbieter, wird einer US-Studie zufolge daran nicht viel ändern können. Umso stärker die Signalwirkung, dass ausgerechnet Google mit der Gratiskultur bricht: Wenn ein einzelnes Unternehmen es schafft, die „Kostenlos-Mentalität" auszuhebeln, dann der Internet-Gigant in Mountain View. Wer weiß: Vielleicht fordert Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner ja eines Tages die Medienmanager auf, einmal am Tag dem Google-Chef Larry Page auf den Knien für seine Verdienste um Paid Content zu danken. vs

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