PagePlace: Deutsche Telekom umgarnt Verlage mit digitalem Kiosk

Dienstag, 01. März 2011
Telekom-Manager Kozel präsentiert PagePlace auf der CeBIT
Telekom-Manager Kozel präsentiert PagePlace auf der CeBIT
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Nach Apple und Google führt nun auch die Deutsche Telekom eine eigene E-Publishing-Plattform für Verlage ein. Der am heutigen Dienstag auf der Computermesse CeBIT vorgestellte Online-Kiosk PagePlace soll Medienhäusern die Möglichkeit bieten, digitalen Content zu vermarkten, ohne die Kontrolle über Inhalte und Kundendaten abgeben zu müssen. PagePlace startet heute auf dem Microsoft-Betriebssystem Windows sowie auf den Apple-Endgeräten iPhone, iPod touch und iPad. Mit der PagePlace-Applikation, die ab sofort kostenfrei im App-Store von Apple oder im Internet erhältlich ist, sollen innerhalb der nächsten 90 Tage auch so genannte „In-App"-Einkäufe möglich sein. Den Preis für die Inhalte bestimmen die Verlage in jedem Fall selbst. Im April 2011 schließlich soll PagePlace auf den ersten Geräten mit dem Android-Betriebssystem von Google sowie auf Mac OS laufen. Weitere Endgeräte sollen folgen. Diese Unabhängigkeit von Geräte-Herstellern ist laut Telekom "bislang einzigartig".

PagePlace ist auch auf dem iPad verfügbar
PagePlace ist auch auf dem iPad verfügbar
Gegenüber den Endkunden tritt PagePlace als neutrale Plattform für verschiedenste Inhalte auf: Verbraucher sollen in dem Online-Kiosk digitale Zeitungen, Magazine sowie Bücher kaufen und sicher über die Telekom-Rechnung, den Online-Bezahldienst ClickandBuy, Paypal oder per Kreditkarte bezahlen können. Die Nutzung soll danach auf den unterschiedlichsten Endgeräten wie PC, Tablet oder Smartphone möglich sein. Besonders komfortabel: Alle gekauften Inhalte findet der Kunde in seinem persönlichen Bücherregal. Der Aufwand, Apps einzelner Magazine oder Zeitungen einzeln anwählen zu müssen, entfällt damit.

„Mit PagePlace bringen wir den klassischen Zeitschriften-Kiosk ins digitale Zeitalter“, sagt Ed Kozel, Vorstand Technologie und Innovation der Deutschen Telekom. Verlage hätten damit "eine großartige Gelegenheit", neue Zielgruppen zu erreichen. Was die Verlage tatsächlich freuen - und Apple ärgern dürfte: Anders als der kalifornische Computerriese hat es die Telekom nicht auf die für die Medienhäuser so wichtigen Kundendaten abgesehen. Während die Verlage gegenüber Apple beinahe als Bittsteller auftreten müssen, um an die Daten zu kommen, will die Telekom laut Kozel mit PagePlace eine hersteller- und verlagsunabhängige Plattform anbieten und sich "nicht in die Kundenbeziehungen der Partner einmischen".

Die Telekom geht bei dem umsatzträchtigen Geschäft mit Inhalten freilich nicht leer aus. Wie eine Sprecherin auf Anfrage von HORIZONT.NET bestätigt, wird der Konzern am Umsatz, den die Verlage über PagePlace erzielen, beteiligt. Mit wieviel Prozent, sagte sie nicht. Jedenfalls legt sich der Konzern mächtig ins Zeug, um möglichst viele Verlage von dem Angebot zu überzeugen. Neben der Plattform und den Bezahlservices will die Telekom auch ihre Kundenbasis von 24,7 Millionen Festnetzkunden und 34,7 Millionen Mobilfunkkunden einbringen, um der Plattform zum Erfolg zu verhelfen. Nach Angaben der Sprecherin sind Werbemaßnahmen unter anderem auf den konzerneigenen Portalen wie T-Online sowie in Form von Rechnungsbeilegern geplant. Zudem hofft die Telekom, dass auch die Verlage Geld in die Hand nehmen, um ihre auf PagePlace verfügbaren Angebote zu bewerben. mas
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