PR-Coup? Facebook will Sonderbehandlung von Schleswig-Holstein prüfen

Freitag, 21. Oktober 2011
Thilo Weichert im NDR-Fernsehen
Thilo Weichert im NDR-Fernsehen

Sollte der Internetgigant Facebook tatsächlich dem kleinen Bundesland Schleswig-Holstein eine Sonderbehandlung zugestehen? Facebook prüfe, die Übermittlung von Nutzerdaten aus dem Bundesland in die Konzernzentrale in die USA zu stoppen, berichtet der NDR. Dies habe der Europa-Repräsentant von Facebook, Richard Allan, dem umtriebigen Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, bei einem Gespräch zugesagt. Online-Experten tun das Angebot als reines PR-Manöver von Facebook ab. Zunächst hört es sich an wie ein Etappensieg von David gegen Goliath: Facebook sagt zu, anhand der IP-Adresse den Standort der Nutzer in Deutschland zu ermitteln und die Daten von Nutzern aus Schleswig-Holstein nicht in die USA weiterzuleiten. Diese Ausnahmeregelung wäre weltweit einmalig. Entsprechend unwahrscheinlich klingt die ganze Geschichte auch.

Denn Experten weisen darauf hin, dass Facebook bei einem großen Teil seiner Nutzer überhaupt nicht ermittelt, wo sie eigentlich herkommen. Die Daten der Nutzer eines Bundeslandes herauszufiltern, wäre technisch schlicht und einfach nicht möglich. "Kurz: Facebook weiß bei einem substanziellen Teil der Nutzer nicht, in welchem Bundesland sie sitzen. Das ist nicht neu oder spektakulär, das weiß jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt. Weichert also nicht", schreibt Thomas Knüwer in seinem Blog Indiskretion Ehrensache. Wenn Weichert nun behaupte, Facebook werde das prüfen, "ist er scheuklappig aber mit erheblicher Geschwindigkeit in die PR-Fall des US-Unternehmens gerauscht". Update: Wie die Website Allfacebook.de berichtet, interpretiert Facebook das Ergebnis des Gesprächs zudem etwas anders als Weichert: "Our recollection of the meeting is different". dh
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