PARTEI-Chef Sonneborn: "Wir nehmen Geld von jedem"

Mittwoch, 15. Mai 2013
Martin Sonneborn (Foto: Jo Henker)
Martin Sonneborn (Foto: Jo Henker)
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Sonneborn Wahlkampf Waffenhandel Scholz & Friends


Am 22. September finden die Bundestagswahlen statt. Die Vorbereitungen für den Wahlkampf sind angelaufen, auch bei der von der "Titanic"-Redaktion gegründeten PARTEI. Wie schon bei der Wahl 2005 sucht sie einen Sponsor für die ihr zustehenden Werbespots im TV. Im Interview mit HORIZONT erklärt der Bundesvorsitzende Martin Sonneborn, was er werbungtreibenden Unternehmen zu bieten hat. Bei früheren Wahlen haben Sie in Ihren Spots Werbung für den Billigflieger HLX gemacht. Das hat nicht jedem gefallen. Ist so eine Aktion auch diesmal wieder vorstellbar?
Unbedingt, das ist ja der eigentliche Grund für unser Gespräch. Wir haben das seinerzeit gemacht, weil die öffentlich-rechtlichen Sender Schleichwerbung im Programm hatten. Wir hatten also einen klaren satirischen Ansatz. Der lässt sich auch jetzt finden, Wetten, dass ... ? Wir sind sehr daran interessiert, wieder einen Partner zu präsentieren.

Was haben Sie einem potenziellen Werbepartner denn zu bieten?
Zunächst mal den Zugang zu den inneren Zirkeln der Macht. Außerdem sind wir in der Lage, alle Plattformen des Wahlkampfs zur Verfügung zu stellen, da wir als moderne Turbo-Partei ohne Inhalte arbeiten. Wir bieten Präsenz auf Plakaten, bei Veranstaltungen, Demos, in TV- Spots. Und es gibt noch einen Punkt, der reizvoll ist: Wer uns sein Geld gibt, muss sich keine Gedanken mehr machen, wo er es parkt. Vor allem aber: Jetzt ist es billiger, sich gut mit uns zu stellen, als nach der Machtübernahme.

Haben Sie Präferenzen für bestimmte Firmen oder Branchen?
Nein, wir nehmen Geld von jedem. Wir sind bei unserer Gründung extrem moralisch angetreten, haben aber gesehen, dass das zu nichts führt. Insofern ist uns jeder willkommen, auch aus zweifelhaften Branchen wie Waffenhandel, Porno, Lebensversicherungen. Entscheidend ist, dass wir mehr Möglichkeiten bekommen, die Bürger zu erreichen.

Glauben Sie tatsächlich, dass Sie wieder einen Partner finden? Ihre Forderungen wie der Wiederaufbau der Mauer sind nicht gerade populär.
Täuschen Sie sich da mal nicht, die Zustimmung ist höher, als Sie glauben. Wir hatten in der Vergangenheit auch schon interessante Angebote. So wollte eine große Werbeagentur unseren Wahlkampf von einem Handelskunden sponsern lassen. Die Idee war, die PARTEI in "Spartei" umzubenennen und jedem, der uns seine Stimme gibt, einen Rabatt beim Einkauf zu gewähren. Es gibt ja selten Werber, die noch amoralischer agieren als wir. Aber hier ist selbst mir die Kinnlade runtergefallen. Die Sache ist damals leider vom Vorstand des Kunden abgelehnt worden.



Wie viel soll das Engagement bei Ihnen denn kosten?
HLX hat für drei Spots 25.000 Euro bezahlt. Allerdings haben die damals kalte Füße bekommen. Das war schade. Wir bieten nicht nur den lustigsten, sympathischsten und spektakulärsten Wahlkampf, sondern die Möglichkeit, junge Zielgruppen zu erreichen. Unsere HLX- Spots sind über 10.000 Mal auf DVD verkauft worden. Die Leute haben dafür bezahlt, Werbung zu sehen. Davon träumt doch jedes Unternehmen.

Reichen Ihnen 25.000 Euro oder muss man jetzt tiefer in die Tasche greifen?
Das war damals schwer unterbezahlt. Finanzen sind aber meine schwache Seite. Wir würden unseren Schatzmeister schicken, der verhandelt das.

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Das vollständige Interview mit Martion Sonneborn lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 20/2013 vom 16. Mai 

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Für HLX haben Sie mit der Agentur Scholz & Friends zusammengearbeitet. Suchen Sie wieder Unterstützung bei professionellen Werbern?
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Scholz & Friends gemacht. Alles lief unkompliziert und unbürokratisch. Alle Beteiligten hatten ihren Spaß und die Agentur hat ein paar renommierte Preise gewonnen mit den Spots. Wir sind also wieder offen für eine Kooperation. Ideal wäre, wenn eine Agentur gleich einen Kunden mitbringt. Dann hätten alle etwas davon. In der Politik nennen wir das eine Win-win-win-Situation. Interview: Mehrdad Amirkhizi
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