P7S1: Deutsches Werbegeschäft bricht im 3. Quartal ein

Donnerstag, 08. November 2012
Pro Sieben Sat 1 schwächelt im Heimatmarkt Deutschland
Pro Sieben Sat 1 schwächelt im Heimatmarkt Deutschland

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen von Pro Sieben Sat 1 gut aus: Der Umsatz ist in den ersten neun Monaten um 6 Prozent gestiegen, allein im 3. Quartal um 7,1 Prozent. Das Wachstum kommt in erster Linie aus den Bereichen Digital & Adjacent und Content Production & Global Sales - doch das Ergebnis hängt nach wie vor vom Wohl und Wehe des deutschen TV-Geschäfts ab. Und das schwächelt. Vor allem im 3. Quartal muss das Segment Broadcasting German-Speaking, in dem die Free-TV-Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gebündelt sind, einen Umsatzrückgang hinnehmen. Der Umsatz liegt mit 391,4 Millionen Euro um 3,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. P7S1 begründet das Minus mit dem starken Vorjahresquartal. Anders gewendet bedeutet dies jedoch: Im 3. Quartal hinterlässt die strauchelnde Wirtschaft deutliche Bremsspuren.

CEO Thomas Ebeling
CEO Thomas Ebeling
Das schlägt sich auch im Recurring Ebitda, dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, nieder. Im 3. Quartal liegt das deutsche TV-Geschäft um 6,5 Prozent unter dem Vorjahr, für die ersten neun Monate allerdings immer noch leicht im Plus. Der Bereich steuert in diesem Zeitraum satte 73 Prozent zum Gesamtergebnis des Konzerns bei. Auch wenn es CEO Thomas Ebeling durch den massiven Ausbau des Digitalgeschäfts und des Produktionsbereichs gelingt, die Umsatzabhängigkeit vom volatilen Werbegeschäft zu verringern - für das Ergebnis sidn die Werbeeinnahmen der Seven-One Media damit unverändert das entscheidende Standbein.

Trotzdem ist Ebeling zuversichtlich, wie im März angekündigt, im laufenden Jahr alle wichtigen Kenngrößen, also Umsatz, Recurring Ebit und Nettoergebnis, steigern zu können. Letzteres wird jedoch vor allem von sinkenden Zinsaufwendungen getragen und nicht von einer Verbesserung des operativen Geschäfts. Der Umsatz belief sich 2011 auf 2,756 Milliarden Euro, das Recurring Ebitda auf 850 Millionen Euro.

Interessant wird sein, wie sich ein möglicher Verkauf des internationalen TV-Geschäfts auf die Position der Gruppe auswirken würde. Derzeit führt Pro Sieben Sat 1 laut Medienberichten Verhandlungen über die Geschäfte in Nordeuropa. Die nordischen Länder haben jedoch in den vergangenen Jahren - auch durch den Launch neuer Sender - an Gewicht gewonnen. Sie tragen in den ersten neun Monaten 431,8 Millionen Euro zum Umsatz und 87,4 Millionen Euro zum Gewinn bei.

Ein Verkauf würde zwar zu einer Senkung der Verschuldung von derzeit 2,065 Milliarden Euro (Stand 30.9.2012) führen, mit den Werbe- und Distributionserlösen aus Norwegen und Dänemark können dann jedoch keine Rückgänge im deutschsprachigen Raum mehr ausgeglichen werden. Im ersten Schritt würde die Abhängigkeit vom deutschen Werbemarkt damit wieder steigen, die Ebeling eben so gerne senken möchte.

Bis der Bereich Digital & Adjacent substanziell zu Umsatz und Ergebnis beitragen wird, dürfte es noch einige Jahre dauern - auch wenn das Segment mit großen Sprüngen wächst. In den ersten neun Monaten lag der Umsatz bei 228,5 Millionen Euro, was einem Wachstum von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht, das Ergebnis legte um 37 Prozent auf 59,4 Millionen Euro zu. In dem Segment werden allerdings nicht nur die Erlöse aus dem Video-on-Demand-Portal Maxdome, der Musiksparte und dem Media-for-Equity/-Revenue-Geschäften gebündelt, sondern auch die Erlöse aus der Online-Video-Werbung, die ebenfalls konjunkturabhängig sind und ebenfalls von der Seven-One Media generiert werden. pap
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