Ove Saffe zur "Spiegel"-Chefredaktion: "Halte mir alle Optionen offen"

Dienstag, 09. April 2013
Spiegel-Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe (Foto: Olaf Ballnus)
Spiegel-Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe (Foto: Olaf Ballnus)

Am Montag herrschte teilweise Unklarheit darüber, ob das Gerücht von der bevorstehenden Trennung von den beiden "Spiegel"-Chefredakteuren Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron nun dementiert wurde oder nicht. In diesem Punkt hat sich der Spiegel-Verlag jetzt immerhin eindeutig geäußert. Eine Verlagssprecherin bestätigt gegenüber HORIZONT.NET einen dpa-Bericht, dem zufolge Spiegel-Verlag-Geschäftsführer Ove Saffe vor der Redaktion verkündet hat, dass es zu einer Entlassung der Chefredaktion noch keinen Gesellschafterbeschluss gebe. Saffe sagte aber auch, dass er in "intensiven Gesprächen mit den Gesellschaftern über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens" sei und mögliche Strukturveränderungen Veränderungen in der Chefredaktion nicht ausschließe. Er halte sich alle Optionen offen. Am Freitag veröffentlichte das "Hamburger Abendblatt" einen Artikel über die bevorstehende Ablösung des Duos. Der Handlungsdruck in Hamburg ist damit hoch. Georg Mascolo, der für das Heft zuständig ist, und Mathias Müller von Blumencron, der Spiegel Online verantwortet, sollen sich schon lange uneins über die Digitalstrategie und insbesondere die Rolle von Paid-Content-Modellen gewesen sein. Saffe soll die beiden mehrmals aufgefordert haben, eine gemeinsame Strategie vorzulegen. Das Duo war dem jedoch wohl bis zuletzt nicht nachgekommen. Die Gesellschafter - der Verlag gehört zu 50,5 Prozent der Mitarbeiter-KG und zu 25,5 Prozent Gruner + Jahr - sollen sich daher auf eine Neubesetzung der Chefredaktion geeinigt haben.

Unklar ist, wer die Gerüchte über die Ablösung in Umlauf gebracht hat und mit welcher Motivation. Auf jeden Fall dürfte die Bereitschaft, den Übergang nun auch mit finanziellen Mitteln zu beschleuningen - unter anderem durch hohe Abfindungen für das Duo - damit gestiegen sein. Denn eine lange Medienschlacht rund um das Thema dürfte kaum im Interesse der Gesellschafter und der Geschäftsführer sein.

Der "Spiegel" ist nach HORIZONT.NET-Informationen katastrophal ins Jahr gestartet. Zwar hatte Saffe Belegschaft und Öffentlichkeit bereits im November im Interview mit HORIZONT auf sinkende Vertriebs- und Werbeerlöse im Jahr 2013 eingestimmt. Das Ausmaß des Einbruchs dürfte aber auch Saffe überrascht haben.

Unter Druck gerät das Magazin zusätzlich dadurch, dass die beiden härtesten Konkurrenten mit neuen Führungen ins Jahr gestartet sind und dadurch auch wieder mehr Aufmerksamkeit der Mediaagenturen und Anzeigenkunden erfahren: Bei Burdas "Focus" ist Jörg Quoos am Ruder, bei Gruner + Jahrs "Stern" hat Dominik Wichmann die Chefredaktion von Andreas Petzold und Thomas Osterkorn übernommen.

So haben sich "Der Spiegel" und Spiegel Online entwickelt

Dass Mascolo unter Druck steht, hat nicht zuletzt mit der Entwicklung der Auflage zu tun, die wie bei den Konkurrenzblättern nicht gerade erfreulich ist. Bevor Mascolo Anfang 2011 alleinige Verantwortung für die Printausgabe übernahm, verkaufte sich der "Spiegel" in der Regel mehr als eine Million Mal (siehe Chart Mediaradar unten). Danach ging es stetig bergab. Im 4. Quartal 2012 rutschte der "Spiegel'" beim Gesamtverkauf erstmals unter die Marke von 900.000 Exemplaren. Spiegel Online ist dagehen - wie die meisten anderen Newsportale auch - unter der Führung von Müller von Blumencron in den vergangenen Jahren gewachsen.

Die Entwicklung des gedruckten "Spiegel"
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pap
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