Ove Saffe beerbt Mario Frank beim „Spiegel"

Freitag, 25. Juli 2008
Wird "Spiegel"-Chef: Ove Saffe
Wird "Spiegel"-Chef: Ove Saffe

Jetzt ist es offiziell: Der umstrittene „Spiegel"-Geschäftsführer Mario Frank nimmt seinen Hut. Nachfolger wird ab Anfang 2009 der bisherige „Stern"-Geschäftsführer Ove Saffe, 47. Frank habe „den Gesellschaftern angeboten, die Geschäftsführung der Spiegel-Gruppe mit Wirkung zum 31. Dezember 2008 niederzulegen", teilt der Verlag mit. Die Gesellschafter - die Mitarbeiter KG (50,5 Prozent), Gruner + Jahr (25,5) und die Familie Augstein (24 Prozent) - hätten diesem Wunsch entsprochen, heißt es offiziell. Zumindest die Zustimmung der Mitarbeiter KG überrascht nur bedingt, denn diese hatte Frank Ende April ihr Misstrauen ausgesprochen.  Ob Frank den „Spiegel" bereits vor Jahresende verlässt, ist bisher unklar. Dem Vernehmen nach wird er bis dahin beurlaubt.

Nachfolger Ove Saffe ist beim „Spiegel" kein Unbekannter: Er arbeitete dort bereits von 1996 bis 2000, zuletzt als Leiter Vertriebsmarketing. „Wir sind froh, dass wir Ove Saffe für diese Position gewinnen konnten, er ist der ideale Kandidat für die Spitze des Spiegel-Verlags. Er hat langjährige Erfahrung in der erfolgreichen Entwicklung und Weiterentwicklung von Qualitätstiteln und er kennt den ,Spiegel‘ und seine Kultur aus eigenem Erleben", sagt Armin Mahler, Sprecher der Mitarbeiter KG. 

Der neue "Spiegel"-Chef

Ove Saffe 47, leitet die G+J-Verlagsgruppe Stern/Geo/Art seit Mitte 2004. Der gelernte Verlagskaufmann begann seine Laufbahn als Anzeigenberater beim Bauer Verlag (damals „Playboy"); später arbeitete er dort als Anzeigenleiter für die Wohnzeitschriften. In derselben Funktion verantwortete er zwischenzeitlich beim Jahreszeiten Verlag die Vermarktung von „Tempo" und „Prinz". 1996 wechselte Saffe zum Spiegel-Verlag in die Anzeigenleitung, danach übernahm er die Leitung des Vertriebsmarketings des „Spiegel". Im Jahr 2000 ging Saffe als Verlagsleiter zur damals G+J-eigenen „Berliner Zeitung", deren Geschäftsführer er 2003 wurde.

Der Verweis auf die Kultur des „Spiegel" sagt viel aus, denn seit seinem Antritt beim Nachrichtenmagazin im Januar 2007 hat Frank mit ebendieser schwer gefremdelt: Ihm, der sein bisheriges Berufsleben bei Gruner + Jahr („Sächsische Zeitung") verbracht hatte, wurden nicht nur fehlende Kenntnisse des Zeitschriften- und TV-Geschäfts sowie seine G+J-Herkunft - viele der auf Autonomie bedachten „Spiegel"-Mitarbeiter fremdeln wiederum seit jeher mit dem oft ungeliebten Veto-Gesellschafter - vorgeworfen, sondern auch ein ruppiger Führungsstil, einsame Aktionen und eine mangelnde Sensibilität für die Hauskultur des „Spiegel", etwa bei neuen Geschäftsideen, Betriebsvereinbarungen und Konferenzgepflogenheiten.

Für Frank kam erschwerend hinzu, dass in der zum April 2007 neugewählten KG-Spitze nur noch zwei Personen aus dem alten Gremium sitzen, das Franks Vorgänger Karl Dietrich Seikel vorzeitig und überraschend aus dem Amt gedrängt und durch Frank ersetzt hatte.

Kommentar: Bewährungsprobe

Na endlich. Mit der Berufung von Ove Saffe zum neuen "Spiegel"-Geschäftsführer dürfte dort wieder Normalität eintreten. Normalität heißt: Das Nachrichtenmagazin macht wieder mehr Schlagzeilen mit journalistischen Scoops als mit Meldungen und Gerüchten in eigener Sache. Neue Chefredaktion, neue Geschäftsführung - die Phase der Lähmung ist vorbei, jetzt muss die Arbeit losgehen. Und die gibt es reichlich: Der Verlag braucht neue Wachstumsprojekte, denn die Lebensader der Gruppe, der "Spiegel", steht im Vertriebs- und Anzeigenmarkt fast ebenso stark unter Druck wie der Rest der Printmedien. Und das Wachstum im Internet hält auch nicht, was es mal versprochen hatte. Doch entscheidend für Saffes Erfolg wird sein, ob er die Handlungsfreiheit hat, die einem Geschäftsführer de jure zusteht. Die nächsten Jahre werden also auch zur Bewährungsprobe für die Mitarbeiter und ihre KG-Spitze: Sie müssen beweisen, dass sie ihre Rollen als Hauptgesellschafter und Untergebene sauber trennen können - auch wenn es mal weh tut. Wenn das nicht gelingt, beginnt das Spiel beim "Spiegel" von vorn. rp

Auch bei der Ablösung des langjährigen Chefredakteurs Stefan Aust machte Frank eine eher unglückliche Figur. Eine schwere Niederlage erlitt er im Herbst 2007, als die Mitarbeiter KG sein Vorhaben abschmetterte, bei der „FTD" einzusteigen.

Ende April 2008 hatte die Mitarbeiter KG Frank das Vertrauen entzogen - woraufhin sich Mitgesellschafter G+J überrumpelt fühlte und öffentliche Presse-Botschaften an die Mitarbeiter KG sandte. Inhalt: G+J hält an Frank fest. Der Knatsch zwischen den beiden Gesellschaftergruppen hielt einige Wochen an, doch letztlich war klar, dass G+J würde einlenken müssen. Zuletzt ging es nur noch um das „Wie" und „Wann" in Sachen Frank-Ablösung - und um einen geeigneten Nachfolger, auf den sich alle Gesellschafter einigen können. Diese Frage lief schon früh auf Saffe hinaus, der fachlich unumstritten ist und auch von der Mitarbeiter KG eher als erfahrener Zeitschriftenmanager denn als G+J-Gesandter wahrgenommen wird.


Der Wechsel Saffes zum "Spiegel" zieht bei G+J einige Wechsel nach sich: Thomas Lindner wird "Stern"-Chef, Julia Jäkel übernimmt G+J Exclusive & Living.
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