Opferschutz und Schleichwerbung: Presserat spricht neun Rügen aus

Freitag, 16. März 2012
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Verletzte Persönlichkeitsrechte, Diskriminierung, Datenschutz - der Deutsche Presserat hat wieder zahlreiche Verstöße in der deutschen Presselandschaft festgestellt. Insgesamt sprach das Gremium neun Rügen aus, unter anderem traf es die "B.Z:", Bild.de und die "Bunte". Die "B.Z." belegte  der Presserat mit einer nicht-öffentlichen Rüge, weil die Zeitung das Foto eines Unfallopfers veröffentlicht hatte. Ein Fall von identifizierender Darstellung, diese sei bei Unfallopfern nicht geboten. In solchen Fällen müsse im Hinblick auf den Schmerz der Hinterbliebenen besonders zurückhaltend berichtet werden, so der Presserat.

Nicht-öffentliche Rügen gab es auch für Bild.de und die "Dresdner Morgenpost". Beide hatten detailreich über das Leben eines 23-Jährigen berichtet, dessen zerstückelte Leiche aus einem Fluss geborgen worden war. Die teilweise spekulative Berichterstattung sowie die Veröffentlichung von Fotos verletze die Persönlichkeitsrechte des Toten, fand der Presserat. Ein übergeordnetes öffentliches Interesse sei nicht zu erkennen. Die "Dresdner Morgenpost" erhielt schließlich noch eine öffentliche Rüge. Das Blatt hatte unter Nennung von Namen und Begleitumständen über einen Selbstmörder berichtet: Ebenfalls ein Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte.

Ebenfalls öffentlich gerügt - und das bereits zum zweiten Mal für das gleiche Vergehen - wurde die "Lünepost" aus Lüneburg. Die Zeitung hatte eine Personengruppe abgelichtet und daraus eine Person mit einem "Glückskreis" markiert. Der Eingekreiste erhält, wenn er sich bei der Zeitung meldet, einen Einkaufsgutschein über 25 Euro. "Mit dieser Praxis verstößt die Lünepost gegen das in Ziffer 8 des Pressekodex verbriefte Recht auf informationelle Selbstbestimmung", so der Presserat. Es sei nicht akzeptabel, dass die betreffende Person ohne ihr Wissen in der Zeitung veröffentlicht wird.

Beihilfe zum Raubkopieren könnte man das nennen, wofür das "PC Magazin" öffentlich gerügt wurde: Die Zeitschrift hatte in einem Artikel unter Nennung von konkreten Websites verschiedene Möglichkeiten zum illegalen Download beschrieben. Der Presserat sah in der Veröffentlichung eine Verletzung des Ansehens der Presse.

Für einen Kommentar, der den Mord eines Familienvaters an seiner Tochter mit dessen Herkunft in Beziehung setzt, erhielt das "Waffenjournal" eine öffentliche Rüge für Diskriminierung. Zwei weitere öffentliche Rügen für Verstöße gegen den Trennungsgrundsatz gab es für die "Bunte" und den "Weser-Kurier". Beide Blätter hatten gegen die Trennung von Werbung und Redaktion verstoßen, indem sie Produkte hervorgehoben bzw. zu undistanziert über ein Wohnungsbauprojekt berichtet hatten.

Insgesamt waren 106 Beschwerden beim Presserat eingegangen. Neben den Rügen gab es 15 Missbilligungen und 27 Hinweise. In 49 Fällen erachtete der Presserat die Beschwerden als unbegründet. In sechs weiteren Fällen war die Beschwerde begründet, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet. ire
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