Onlinekioske: Hohe Kommission bei Apple könnte Bertelsmann in die Hände spielen

Donnerstag, 23. September 2010
Mit Pubbles will Bertelsmann Apples Vormachtstellung angreifen
Mit Pubbles will Bertelsmann Apples Vormachtstellung angreifen

Apple will bei seinem Onlinekiosk 30 Prozent vom Verkaufspreis als Kommission einbehalten. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Brancheninsider. Bertelsmann hingegen will laut Konzernangaben bei seiner Plattform Pubbles nur einen Bruchteil dessen von den Verlagen verlangen, genaue Zahlen sind jedoch noch nicht bekannt. Der Preisunterschied könnte dem deutschen Medienkonzern in die Hände spielen: Vielen Verlagen könnte Apples Kommissionsrate zu hoch sein, außerdem möchten sie die Hoheit über Kundenkontakt, Verkaufspreise und Vermarktung behalten und sich deshalb nicht von dem Unternehmen aus Cupertino abhängig machen. Auch Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, betonte auf dem Zeitungskongress 2010: "Wir brauchen die Preishoheit und den Zugang zum Kunden."

Bertelsmanns Pubbles, ein Onlinekiosk für digitale Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchinhalte, soll pünktlich zum Beginn der Frankfurter Buchmesse am 6. Oktober starten. Die Gruner+Jahr-Tochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) und Bertelsmann Buchhandelsunternehmen Direct Group halten jeweils 50 Prozent der Anteile an der neuen Firma. Anfangs wollte der Medienkonzern noch externe Verlagshäuser als Gesellschafter mit ins Boot holen, dies hat jedoch zumindest vorerst nicht geklappt.

Allerdings gibt es laut Verlagsangaben Verträge mit je etwa 30 Buch- und Presseverlagen, die als Kooperationspartner ihre Inhalte auch über Pubbles vertreiben möchten. Um die Plattform bei den Nutzern bekannt zu machen, wird die Agentur Kolle Rebbe aus Hamburg nach dem Launch eine großangelegte Werbekampagne für den Onlinekiosk auffahren. Bereits jetzt können sich Nutzer unter Pubbles.de als Tester der Beta-Version registrieren.

Erst vor wenigen Tagen berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass auch Apple mit einem Onlinekiosk an den Start gehen möchte. Dieser soll sich am iBook-Store des Unternehmens orientieren und für das iPad optimierte, digitale Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften anbieten. Wie mit Kundendaten verfahren wird und wie ein mögliches Revenue-Share-Modell für Abonnements aussehen könnte, steht noch nicht fest. Insidern zufolge könnte das Projekt im Frühjahr 2011 starten. sw
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