Onlinegipfel: Verlagsmanager Schrotthofer wirft Google Raubrittertum vor

Donnerstag, 14. Oktober 2010
Die Teilnehmer des Onlinegipfels
Die Teilnehmer des Onlinegipfels


Beim Onlinegipfel der Medientage München lieferten sich Google-Manager Philipp Schindler und Oliver Schrotthofer, Geschäftsführer der WAZ-Tochter Zeitungsgruppe Thüringen, einen heftigen Schlagabtausch zum Thema Leistungsschutzrecht. Schrotthofer warf den Betreibern von Suchmaschinen eine "Raubrittermentalität" vor. "Den Verlagen geht es darum, eine Lücke im Urheberrecht zu schließen, um Fairness im Umgang mit geistigem Eigentum zu erreichen", verteidigt der Verlagsmanager die Position der Branchenverbände VDZ und BDZV.
Google-Europachef Schindler kontert mit Zahlen. Innerhalb eines Jahres habe sein Unternehmen insgesamt 6 Milliarden Dollar an Ad-Sense-Partner ausgeschüttet, zu denen auch viele Verlage gehörten. Außerdem leite Google pro Monat 4 Milliarden Besucher auf Verlagswebsites weiter. Damit helfe sein Unternehmen, die Reichweite der journalistischen Angebote zu steigern, was wiederum positive Effekte auf die Werbevermarktung habe. "Angenommen Google existiert morgen nicht mehr, dann würde kein Verlag morgen automatisch mehr Geld verdienen", sagt Schindler. Das Leistungsschutzrecht führe zu einer Zwangsabgabe und stelle eine Gefahr für die Informationsfreiheit dar.

Diese Vorwürfe weist Schrotthofer weit von sich. Es gehe darum, "freiwillige Vereinbarungen" mit großen Unternehmen zu treffen. Auch das Surfen von Privatpersonen werde in keiner Weise eingeschränkt. "Es findet schließlich auch niemand anstößig, wenn Radiosender dafür Geld zahlen, dass sie das Lied eines Künstlers spielen", untermauert er seine Position.

Schindler wiederum weist die Verlage darauf hin, dass sie sich selbst dazu entschieden haben, ihre Inhalte im Netz gratis zur Verfügung zu stellen. Jetzt plötzlich eine Abgabe für die gewerbliche Nutzung der Inhalte zu fordern, sei genauso, "als wenn ein Verlag eine Gratiszeitung herausgibt, die vor die BMW-Unternehmenszentrale legt und dann plötzlich die Hand aufhält, wenn einer der Mitarbeiter anfängt zu lesen".

In der Mitte der beiden Streithähne saß Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie hält die Forderung der Verleger für legitim und verweist auf den Koalitionsvertrag, der ihnen eine Verbesserung der rechtlichen Situation in Aussicht stellt. "Das Leistungsschutzrecht ist ein ganz normaler Teil des Urheberrechts - zum Beispiel in der Musikindustrie", sagt die FDP-Politikerin. Dass dies bisher noch nicht für die Presse ausgeweitet worden sei, liege lediglich daran, dass die gewerbliche Nutzung von journalistischen Inhalten in Print deutlich schwieriger sei als im Internet. Dennoch betonte sie auch, dass eine schlichte Verlinkung nicht zu der Zahlung einer Gebühr führen dürfe. bn
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